Kostenloses Kommunikationstraining im Alltag- im Advent für Fortgeschrittene

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Kostenloses Kommunikationstraining im Alltag- im Advent für Fortgeschrittene

Ein großer Vorteil meines Metiers ist, dass ich davon den ganzen Tag umgeben bin. Von früh bis spät geht es um Menschen, d.h. um Kommunikation und Konflikte. Es ist fantastisch! Stellen Sie sich vor, Sie wollen Paragliding, Kyte-Surfing oder Skifahren lernen. Da brauchen Sie Ausrüstung und müssen erst irgendwohin fahren. Bei mir ist das equipment schon bei meiner Grundausstattung dabei gewesen und ich brauche nur vor die Haustüre zu treten.

Das ist im Kommunikationsbereich wunderbar. Denn – so sage ich es heute meinen Teilnehmern- „Ihr könnt gleich in der Mittagspause mit der Bedienung im Lokal oder morgens beim Bäcker üben!“ – Hey! Treppensteigen statt Lift. Ein kostenloses Fitness Training für die eigene Kommunikation.

Mein Beispiel – live von heute

Mein kleiner Dorfpostladen hat Mittagspause. Ich ärgere mich nicht. Ich denke, diese Menschen haben es verstanden: Pause zu machen ist wichtig, um richtig gut zu arbeiten. Das tun sie nämlich: Freundlich, kompetent, schnell, als Team aufeinander abgestimmt. Wohltuend gut. Ich komme gerne hierher. Flexibel wie ich es gelernt habe, schnell umdisponiert: Verschieben oder …wo ist die nächste Post Filiale? Ich habe mich für die Post entschlossen. Der Dame am Schalter schiebe ich gut gelaunt wohlformulierte Worte entgegen: „Guten Tag! Danke, dass Sie auch in der Mittagszeit für mich da sind. Dieses Päckchen geht nach Italien, dieses nach Frankreich und bitte noch fünf Weihnachtsbriefmarken (darauf deutend).“ Die Päckchen waren liebevoll gestaltet mit Zeichnungen, Stempeln und weiterem herzerwärmendem Firlefanz für meine Adressaten. Die Dame am Schalter druckt Etiketten aus. Mir wird übel. Das will sie doch wohl nicht auf meine schönen Päckchen …?! Doch, sie will.

VV: Könnten Sie mir bitte für diese Päckchen Briefmarken geben? – Post: Das machen wir immer so (sie meint die Etiketten). Das geht gar nicht anders. VV: Ich weiß, ich hatte es Ihnen vorher nicht ausdrücklich gesagt. Wenn es bei Ihnen wirklich nicht anders geht, dann merke ich mir das für die Zukunft. Es ist nur ein Wunsch. Wenn es geht, wäre es toll. Wenn nicht, dann nehme ich diese Etiketten. Post: Wo ist mein Schlüssel? Dann muss ich ja einen Storno machen! VV: Es geht also doch? Das ist ja wunderbar! Wissen Sie, ich habe mir für das Päckchen große Mühe gemacht und die Empfänger liegen mir echt am Herzen. Da passen Briefmarken auch zur Adventszeit einfach besser als diese 0815-Etiketten. Post: Wir sind ja jetzt (13.00 Uhr, Mittagszeit!) nur zu zweit hier. Hallo, dahinten, hat jemand meinen Schlüssel gesehen? Kann mir jemand einen Storno buchen?

Es ist die erste Adventswoche. Das ist eine Zeit für Fortgeschrittene. Hier liegen die Nerven schon blank, bevor Sie ein Wort sagen. Ich spüre in meinem Rücken, dass sich hinter mir eine Schlange schlängelt… von Satz zu Satz bis hin zum Ausgang. Ich bleibe entspannt. Sie sucht nach einer Büroklammer, geht links, rechts, links. Ich bekomme meine Briefmarken. Post: Die müssen Sie jetzt aber selber aufkleben! VV: Gerne. Wie schön, dass es doch klappen durfte. Haben Sie recht herzlichen Dank. Sie haben mich auch gleich los (charmant lächelnd, während ich die Briefmarken schnell aufklebe und gleichzeitig zahle) und ich verspreche, beim nächsten Mal bin ich ganz unkompliziert. Post: War ja nicht so schlimm. Viel schlimmer ist, dass mein Schlüssel weg ist… VV: Ich kenne das. Meine Rettung ist dieses Schlüsselband (ich deute auf das Gehänge um meinen Hals). Na, dann noch einen schönen Tag für Sie!

Geht doch. Meine Empfehlung: Üben Sie im Alltag. Es gibt so viele Möglichkeiten. Lassen Sie nicht locker. Bleiben Sie wohlwollend beharrlich dran. Hier haben Sie nichts zu verlieren. Bedenken Sie: Was Sie im Kleinen nicht können, schaffen Sie im Großen nie. Falls Ihre „Betriebstemperatur“ ungemütlich steigen sollte, haben Sie jederzeit die Möglichkeit, elegant mit Ihrem Joker zu beenden. Im Beispielsfall: „Ich sehe, ich bereite Ihnen jetzt größere Umstände, als ich dachte. Bitte geben Sie mir doch die Etiketten.“

Viel Spaß und ich freue mich auf Ihre Rückmeldungen. Jeder Schritt zählt und manchmal gibt es formvollendete, nützliche Fehler!

Es ist noch kein Kommunikationsmeister vom Himmel gefallen – höchstens ein Sprach-Engel, der die Höhe falsch kalkuliert oder ein Wortbengel, der in die falsche Sprachtasche, „frech“, „unhöflich“,“ironisch-sarkastisch“ oder „ärgerlich“ gegriffen hat.

Ho-Ho-Ho und einen schönen Advent!
Ihre Vanessa Vetter

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Respekt, Fairness und Wertschätzung sind mir sehr wichtig. inmetra® ist eine eingetragene Marke. Alle Rechte liegen bei Vanessa Vetter. Texte oder Textteile dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung genutzt werden. Lassen Sie mich wissen, wenn Sie daran interessiert sind.

2 Kommentare

  1. Christina Jahnhorst-Kurth
    14. Januar 2018

    Liebe Vanessa,
    ich lese regelmäßig Deinen Blog und freue mich unter anderem sehr über die Alltagssituationen, die Du beschreibst und in die ich selbst auch hin und wieder gerate. Die Anleitung zum zustandsverbesserenden Meistern dieser Situation ist ein example par excellance!

    Und ich merke selbst, dass durch den NLP-Practicioner und das Dranbleiben an NLP ich da auch erheblich im Umgang mit anderen Menschen dazugewonnen habe. Danke dafür!

    Die Freude und der Spaß des Formulierens des Beitrages, die zwischen den Zeilen anklingen, ist zudem bemerkenswert.
    Kein Wunder also, dass sich diese Freude und der Spaß auf mich als Leserin übertragen.

    Vielen Dank, Du Wortkünstlerin.

    Herzlich Christina

    Antworten
    • inmetra
      15. Januar 2018

      Liebe Christina,

      oh, wie mich das freut, zu lesen! Es lohnt sich also meine Mühe lohnt. So kann ich meinen Spaß auch noch teilen! Es freut mich, mit Dir immer wieder zu wortzaubern und mich darüber auszutauschen. Du hast ja auch einen sehr feinen Sinn für das Linguistische. Neulich habe ich mal wieder ein neues Wort aus einer anderen Sprache geborgt, einfach nur, weil es mir so gut gefällt und es genau das stimmlich erzeugt, was ich verbal ausdrücken möchte. Doch in solchen Situationen merke ich deutlich, wie sehr mir die Kenntnisse aus dem NLP nützlich sind. Früher hätte mein Dialog ganz anders gelautet und ich wäre nicht gut gelaunt aus der Post gegangen. Lernen, üben, experimentieren, auch mal scheitern… und dann wieder von vorne – es lohnt sich tatsächlich.

      So wortzaubere ich also auch an dieser Stelle weiter und freue mich, Dich als Leserin zu wissen.

      Herzlichen Gruß, Vanessa

      Antworten

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