Im Notfall – welche Hilfe hilft und welche nicht?

Die Mimik meiner Kollegin wird in einer Millisekunde zur besorgten, fürsorglich-empathischen Freundin. Ihre Hand ist schneller an meiner Stirn, um zu prüfen, ob ich Fieber habe, als ihr Mund sagen kann „Du lieber Himmel, Vanessa, Du wirst doch hoffentlich nicht krank?!“ Empathie ist nicht nur für Mediatoren eine wichtige Kompetenz. Der Perspektivwechsel ebenfalls. Dieser kann nämlich Verständnis schaffen für das Empfinden einer Situation, die man mangels eigener Erfahrung nicht verstehen kann… In einer Notsituation ist es oft besonders schwierig.

Im Fall des Unfalles (oder einer Krankheit)

Unfall ist wirklich ein deutsches Unwort. Ein plötzliches Ereignis, eine Krankheit, ein Unfall oder jedwede Notsituation, wirft Sie in ein großes Bassin voller Veränderung. Nicht wollen, sondern müssen! Viel mehr Veränderung, als Ihnen wahrscheinlich lieb ist, wo sich die Veränderungen doch sonst eher in Ihr Leben einschleichen und dem Unachtsamen dies sogar ganz unbemerkt. Für den ist eines Tages „plötzlich“ alles anders.
In meinem Fall sah ich mich nächtlich unversehens in der Notaufnahme wieder… und anhand dieser Situation mag ich mit Ihnen exemplarisch ein paar hoffentlich hilfreiche, wohltuende, wertvolle Gedanken, Impulse und Tipps teilen.

Wohlgemerkt: Es geht nicht um mich und diese Geschichte. Es geht um Sie und die mögliche Lektion. Natürlich nur, wenn Sie mögen. Dann sind Sie herzlich eingeladen, weiterzulesen…

Die Situation ist komplex und eine echte Herausforderung

Das einmal als Trost vorweggeschickt: Einfach ist anders. Und es gibt nicht die passende Universalumgangsform. Jeder Mensch, jede Situation, jeder Tag ist anders. Vertrauen Sie darauf, es herauszufinden, wie es im Moment gut gehen kann. Üben Sie, zu kommunizieren, damit Sie Ihre Befindlichkeiten, Bedürfnisse, Ihre Jas und Neins, Ihre Ambi- und Multivalenzen sowohl als Patient, wie als Helfender, klar und deutlich zum Ausdruck bringen können. Das schafft einen tragfähigen Boden für Verständnis, auch für sich selbst. Und davon brauchen Sie jetzt wesentlich mehr als sonst.

Emotionscocktail und sonstige Vermischungen

Wir haben mitunter mehrere Emotionen gleichzeitig und diese durchaus diametral: Schock, Frustration, Dankbarkeit, Wut, Freude, Mitleid, Erleichterung,Traurigkeit. – Uff. Das alleine kann schon anstrengend sein, für sich selbst und unsere Menschen, die uns umsorgen, helfen wollen.
Ein Sonnenstrahl: Alleine das zu wissen ist schon erleichternd. Ich sage zu diesen Gelegenheiten: „Willkommen als Mensch!“ – Die ganze Palette eröffnet sich einem in vielen Facetten und Schattierungen. Manchmal ist man so verwirrt, dass man selber nicht mehr weiß, wie einem gerade zumute ist und wie man das jetzt finden soll. Wirklich: Am besten gar nicht. Stellen Sie einfach fest, „ich bin verwirrt“. Tief ein- und ausatmen. Und laut ausgesprochen könnte Ihr Gegenüber erleichtert sein, aus Ihrem zerknirschten Gesicht zu hören: „Tut mir leid, ich bin wahrscheinlich gerade fürchterlich unleidig“ (auch so ein Unwort).

Hilfe als Gratwanderung

Als Hilfebedürftiger triggern Sie jetzt Ihre Mitmenschen auf ganz besondere Art und Weise. – Sie sind selbst wund, wackelig, empfindlich, sehr zart besaitet. Leider auch Projektionsfläche. Oh je, auch das noch! Schach matt gesetzt zu sein, reicht doch schon. Ja, tut mir leid. Sehen Sie es als Entwicklungsmöglichkeit. Menschen, die helfen wollen, Freunde, Verwandte, Kollegen, Bekannte…, die tun das, anders als ein Coach, in der Regel nur aus deren Perspektive, mit deren individueller Lebenserfahrung, mit deren Gepäck im Rucksack. Vielleicht sogar mit einer eigenen Motivation, auch zum eigenen Profit. Das heißt, die Helfer haben ihre eigenen Befindlichkeiten, Themen und Blockaden auch jetzt dabei. In der Tat ist es oft eine Gratwanderung. Die Lage ist in jedem Moment so anders, wie das Wetter an einem echten Apriltag. Da ist derjenige gut dran, der eine sonnige Einstellung im Herzen und die richtigen Klamotten, Regenschirm, adäquates Schuhwerk und für alle Fälle Handschuhe und Mütze dabeihat. Immer schön flexibel bleiben, fünf gerade sein lassen und bitteschön: Nicht gleich alles persönlich nehmen. Sie erinnern sich? Ja, genau, eine Notsituation.

Wieviel und was? Geben und Nehmen – ja oder nein?

Die einen brauchen mehr Ruhe, die anderen Gesellschaft. Die einen sind eher robust, die anderen empfindlich. Die einen wollen über ihre Situation (viel) sprechen, die anderen weniger oder gar nicht. Die einen können gut annehmen, delegieren, um Hilfe bitten, adäquat einschätzen, andere nicht. Die einen sind emotional eher stabil, die anderen drohen, deprimiert in eine Frustration zu schaukeln. Die einen können sich gut ausdrücken, die anderen sind introvertiert, von vorneherein maulfaul und … – Meine Güte, das ist ja fast eine Olympiadisziplin!

Olympiadisziplin

In der Tat. Wer mich kennt, weiß, dass ich überzeugungsstark bin. Wer mich also über mich hinweg zu etwas für mich Gutem überzeugen will, der muss mindestens so stark sein. Meine Rettung am Unfallort war eine Reihe von in Position stehenden Menschen-Engeln mit genau dieser Qualität. Sonst wäre ich nie im Krankenhaus gelandet und hätte nicht sofort operiert werden können. Ich hätte einen Schaden für mein ganzes Leben haben können. Was für ein Glück, dass sie sich nicht von mir abwimmeln ließen. Wie die Wadenbeißer waren mitten in der Nacht zwei Mädchen, eine Frau und mein Arzt Nachbar an mir dran, ließen mich nicht alleine und jeder hatte seinen Anteil daran, dass ich schließlich doch einwilligte. „Na gut, eine Röntgenaufnahme kann man ja mal machen.“

Zuviel oder zuwenig. Falsch und richtig.

Eines meiner sog. Metaprogramme ist definitiv Aktion. Ich bin eine Frau der Tat. Ich riskiere lieber, mich unbeliebt zu machen, als später zu bereuen, zum Wohle des anderen nicht beharrlich geblieben zu sein. Ich bin mutig. Ich riskierte den Ärger eines Chefs, ich riskiere den Unmut eines Kollegen, Kunden oder Freundes, z.B. zu spät oder gar nicht zur Verabredung zu kommen, wenn auf dem Weg jemand meine Hilfe dringend braucht. Eine Freundin schrieb mir neulich eine Kurznachricht, als ich, ohne mich zu melden, ungewohnt ca. 10 Minuten verspätet war: „Na, hilfst Du mal wieder jemandem?“
Ich fahre 800 km zu jemandem, der gerade alleine mit einer schwierigen Situation konfrontiert ist und niemand aus der Familie zur Disposition steht. – Mich interessiert der Grund nicht. Ich schaue in meinen Kalender und mache einen konkreten Vorschlag. Ich weiß: Es braucht in diesen Momenten keine Worte, sondern Taten. Ich räume jemandem in dessen Urlaubsabwesenheit den Keller auf und riskiere damit eine kurze Schlechtwetterphase in unserer Beziehung. Ist das gut? Ist das schlecht? – Ich weiß es nicht. Natürlich kann es in gewisser Weise eine Bevormundung sein. Das ist die schwierige, riskante Gratwanderung. Wägen Sie bitte immer sorgfältig und bedacht ab, dann kommen Sie mit dem Gegenwind gegebenenfalls gut zurecht.
Versuchen Sie einen Perspektivwechsel. Beziehen Sie unbedingt die Mimik und Körpersprache des Betroffenen mit ein. Denn das gesprochene Wort kann „nein“ sagen und „ja“ meinen oder umgekehrt. Es ist schwierig.
Man kann letztlich niemandem vorwerfen, sich nicht an der verbalen Aussage des Patienten zu orientieren. Es ist ja eine akute Ausnahmesituation. „Na, das geht schon.“ Nein, es geht jetzt gerade wirklich nicht. – Mir erzählte jemand ganz empört, dass der Taxifahrer seine Frau nach einem Radunfall ihrem Wunsch gemäß nach Hause und nicht ins Krankenhaus fuhr. Ja, es ist wirklich schwierig.

Was soll ich denn jetzt tun?

Seien Sie in jedem Fall nicht beleidigt, wenn Ihnen der Patient ein Bedürfnis anträgt, das Ihnen gegen den Strich geht. Meine Mutter durfte sich von mir anhören „sei so lieb und schenke mir ein paar Tage Ruhe!“ Sie wertete das als Telefonverbot. Gut. Da ich gerade andere Sorgen hatte, z.B. wie ich in meinen Schlüpfer, auf die Toilette, in die Dusche und von A nach B kam, Schmerzen überall hatte, kümmerte ich mich ausnahmsweise nicht darum. Ihr Bedürfnis war (Ihres wohlgemerkt), mich dreimal täglich nach meinem Befinden und den genauen Umständen zu fragen. Bei einem Freund hatte ich den Eindruck, dass er, ungeachtet meiner Situation, mit mir über seine Probleme sprechen wollte. Ich verwies ihn auf ein professionelles Coaching bei einem Kollegen und er war beleidigt, dass ich nicht aus dem Krankenhausbett heraus für ihn „privat“ zur Verfügung stand.
Sie müssen sich über Ihre Prioritäten klar sein und wenn Sie in einer Notsituation jedweder Art sind, dann sind Sie (nur Sie) Ihre Priorität. Jedenfalls, wenn Sie schnell wieder auf die Beine kommen möchten.

Vanessas Tipps für Sie

Im Falle des Falles müssen Sie auf Ihre Ressourcen zurückgreifen können, die Sie bereits angelegt haben. Im akuten Moment können Sie diese nur schwer bis unmöglich erschaffen. Auf sich selbst können Sie immer zählen, auf andere nicht unbedingt. Sich selbst haben Sie immer dabei. Merken Sie etwas? Ja? – Gut: Es lohnt sich also die Investition. Denn im Zweifel sind Sie sich selbst ausgeliefert. Überlegen Sie, was für ein Mensch das ist und ob sie ihm ausgeliefert sein wollen. Wenn Sie jetzt ein innerliches „nein“ haben (es hört ja keiner), dann kennen Sie Ihren akuten Handlungsbedarf.

Tipp Nummer 1
Üben Sie sich – am besten ab sofort- in Flexibilität in Denken und Handeln. Wie geht das?  Sie beginnen im Kleinen, dafür machen Sie jeden Tag etwas. So profan es vielleicht für Sie klingen mag: Nehmen Sie andere Wege als die, im wahrsten Sinne des Wortes, in Ihrem Hirn „eingefahrenen“. Die folgenden Beispiele mögen Sie inspirieren. Wählen Sie im Lokal ein anderes Gericht. Kaufen Sie in einem anderen (einem ganz anderen) Geschäft oder auf dem Markt ein. Kaufen Sie etwas, was Sie noch nicht kennen. Probieren Sie etwas Neues jedweder Art. Sprechen Sie mit jemandem, den Sie gerade zum ersten Mal sehen. Laden Sie zu einer Feier jemanden ein, den Sie noch nicht so gut kennen. Reisen Sie auf eine andere Art und Weise oder zu einem noch unbekannten Ziel. Putzen Sie sich mit der anderen als der gewohnten Hand die Zähne. Legen Sie sich im Bett für gewisse Zeit auf die andere Seite. Trinken Sie eine Weile Tee statt Kaffee. Essen Sie „projektbezogen“ statt Schokolade Nüsse. Backen oder kochen Sie ein Rezept, das Sie noch nie ausprobiert haben. Bereiten Sie anderen Menschen Überraschungen. Und so weiter. Jeder einzelne Schritt zählt. Wenn Sie die kleinen Schritte nicht kultivieren, wie wollen Sie die großen vollbringen?

Tipp Nummer 2
Kultivieren Sie positive, lebensbejahende und motivierende Grundannahmen und eine positive Lebenseinstellung. Zum Beispiel: Albert Einstein: „Das Universum ist ein freundlicher Platz.“ Vanessa Vetter: „Egal, was passiert, es ist immer der für mich passende Mensch da, um zu helfen.“

Tipp Nummer 3

Üben Sie sich in Vertrauen. Damit ist nicht blindes Vertrauen gemeint in alles und jeden. Bei bestmöglicher, wohlwollend kritischer Abwägung Vertrauen ins Leben, in den Menschen, der gerade an Ihrer Seite ist, auch wenn Sie ihn nicht kennen. Vertrauen, dass alles einen guten Verlauf nimmt. Vertrauen in Ihren Körper, dass er eine Menge aushält, sich heilen kann und wird. Vertrauen, dass sich auf dem Weg Schritt für Schritt neue Optionen ergeben werden. Und so weiter.

Tipp Nummer 4
Üben Sie sich in Humor. Humor wirkt therapeutisch. Humor fängt dort an, wo der Spaß aufhört. Also dort, wo es wirklich ernst ist.
Die Methodik des Reframings aus der Kommunikationspsychologie funktioniert einfach und schnell. Zum Beispiel, „auf Krücken gehen macht hübsche Oberarme“ als Antwort auf den Kommentar einer Freundin „ohje, Du Arme …!“ Oder: „Ich mache gerade eine natürliche Entschleunigungskur“.
Letztendlich ist es dasselbe in hellgrün. Aber eben ein frisches, fröhliches hellgrün und nicht ein übelriechendes dunkelbraun. Das macht den relevanten Unterschied für Sie aus. Positive Motivation schafft Ihnen Handlungsraum. Schauen Sie also bitte immer (immer!) auf das halb volle Glas. Es ist einfach nur eine Fokusveränderung. Das kann jeder. Es ist reine Übungssache. Jeden Tag. Es lohnt sich. In der Notfallaufnahme können Sie nämlich nicht entscheiden, was Sie denken. Ihr Hirn spult automatisch das Programm ab, das Sie in den Jahren davor aufgeladen haben und wehe Ihnen, wenn das die halb leer Glas Variante ist. – Das ist dann, ehrlich gesagt, echt sch…!

Tipp Nummer 5
Lassen Sie situationsbedingt locker (Handlungsfreiheit statt Hamsterrad). Schicken Sie Ihre Perfektion eine Weile in den Urlaub. Mal nicht das perfekte Styling. Das Bett nicht gemacht? Prima. Die Teilnehmer dürfen die Stühle selbst auf- und abbauen und sich um das Pausenbuffet kümmern. Das funktioniert sogar wunderbar. Alle bringen etwas mit. Die Mitarbeiter und Kollegen werden integriert. Jeder kriegt einen Handgriff extra. – Super! Sie brauchen Ihre Kraft nämlich für Ihre Heilung und in meinem Fall, um von A nach B zu kommen. Und das über viele Wochen und einige Monate. Wenn Sie wieder fit sind, dann machen Sie es wieder anders. Flexibilität heißt, sich auf die geänderten Umstände leicht einstellen zu können. Mental, emotional und in Ihrem Verhalten. Mein Chirurg (Michelangelo, einer meiner Engel) konnte das gleich erkennen. Er sagte „Sie sind eine Vorzeigepatientin. Mit Ihrer Flexibilität wird das schnell und gut heilen.“
Ach so ja, … apropos Flexibilität. Das gilt auch für den Körper. Zum Glück? Nein, weil ich es seit Jahrzehnten übe. Mein reframing auf die Frage „und, wie geht es Dir beim Duschen? Ganz schön beschwerlich, oder?“ lautete ehrlich: „Ich bin der geborene Flamingo.“ Auch meine Feldenkrais Erfahrung hilft mir, meinen Körper Bewegungen entdecken zu lassen, die seiner momentanen Einschränkung gerecht werden. Gehen mit Krücken? Meine Physiotherapeutin staunt, ich habe es schnell umgesetzt und übe fleißig. Sie hat mit mir nicht viel zu tun.
Soll heißen: Sorgen Sie wirklich gut für Ihren Körper. Er ist der Einzige, den Sie haben. Ernähren Sie sich gesund. Achten Sie auf Ihr Gewicht. Machen Sie Yoga, Sport, Feldenkrais, Qui Gong. Was auch immer. Meditieren Sie. – Regelmäßig. Es ist die Investition in einen Schatz und lohnt die Mühe und Disziplin. Lassen Sie am besten Ihren Schweinehund von der Leine. Der kann alleine Gassi laufen.

Tipp Nummer 6
Räumen Sie bei sich auf: Lösen Sie Ihre Blockaden, schädlichen Muster. Verstehen Sie, was Ihre Trigger (Reizauslöser) sind, was also mit Ihnen und nichts mit Ihrem Gegenüber zu tun hat. Im NLP gibt es ein Axiom (eine Grund- oder Vorannahme), das lautet: „Widerstand ist eine Aussage über mich selbst, nicht über den anderen.“ Lernen Sie also gut zu kommunizieren, sich klar und ehrlich auszudrücken. Seien Sie wohlwollend, nett und lieb mit sich und wenn Sie sich gerade selbst nicht wiedererkennen umso mehr.

Tipp Nummer 7
Erforschen Sie Ihre (für Kenner: Metaprogramme) individuelle Art zu sein. Wenn Sie wissen, welche Gedanken bei Ihnen gut funktionieren, dann können Sie sie denken und sich selbst sagen, wenn es drauf ankommt. In der Reflexion meines Unfalls war das der Satz, den mein Nachbar Arzt zu mir sagte. Ich habe ihn mir sofort zu Herzen genommen und gemerkt. Denn eines Tages ist es vielleicht extrem hilfreich oder sogar rettend, ihn mir selbst sagen zu können: „Vanessa, es liegt in Deiner Verantwortung, was Du tust.“ – Das hat gesessen. Also ab ins Krankenhaus.

Tipp Nummer 8
Seien Sie dankbar! Dankbar für jeden, der da ist und hilft. Achtung: In seiner Art und Weise im Rahmen dessen Möglichkeiten. Seien Sie dankbar, dass nicht etwas viel Schlimmeres passiert ist. Letztendlich haben Sie doch wirklich Glück im Unglück gehabt. Schaffen Sie eine gesunde Relation und entdecken Sie darin, wie gut es Ihnen bei aller Herausforderung, allem Pech, Mist und Missgeschick der Situation, doch wirklich geht. Da fällt mir noch ein Freund ein, der bei einem Kletterunfall in Italien 18 Meter in die Tiefe stürzte. Als ich ihn im Krankenhaus besuchte, strahlte er mich an (kein Knochen war noch ganz): Vanessa, ich lebe! Recht hatte er. Heute klettert und radelt er wieder. Das hätte auch anders ausgehen können. Mein Onkel war zeit seines Lebens querschnittsgelähmt. Blöd gefallen im Studentenjob. Ich kann ihn jetzt besser verstehen denn je. „Walk a moon in my moccassins“ ist übrigens im NLP ein gern zitierter Spruch. Bevor man jemanden beurteilt, möge man doch bitte eine Mondphase lang in seinen Schuhen laufen (dessen Leben leben).  Und das fördert: Dankbarkeit, für das, was man (nicht) hat.

Tipp Nummer 9
Geben Sie um Himmelswillen immer gut auf sich acht. Lassen Sie sich nicht hetzen. Sicherheit geht immer vor und ist nie, nie (nie!) uncool.

Tipp Nummer 10
Es gäbe natürlich noch Vieles, was hilft. Doch an dieser Stelle lasse ich es bei meinen Top Ten für Sie bewenden. Zum guten Schluss noch eine von Herzen kommende Empfehlung: Umgeben Sie sich in dieser Zeit ausschließlich (!) mit konstruktiven, positiven, fröhlichen und lebensbejahenden Menschen und Themen.

Der sog. comic relief – die Komik im Drama

Wenn ich meine Situation revue passieren lasse, dann muss ich hier und da herzhaft lachen.
Ich sehe mich am Unfallort liegen und beharrlich die Frage abweisen „sollen wir einen Krankenwagen rufen“ – „Nein! Nein danke, das geht gleich wieder.“ (Von wegen.) Ich bat um meine Handtasche und rief, nachts im Regen auf der Straße liegend, meinen Coach an. Der Anblick war mit Sicherheit sehr komisch.
Trotzdem: Sie holen bitte zuerst einen Krankenwagen und machen dann einen Termin mit Ihrem Coach aus. – Versprochen?!
Ich hatte so einen unbeschreiblich großen Durst. „Könnt´ Ihr mir bitte Wasser organisieren?“ Nun gut, man kann nun wirklich niemandem vorwerfen, nachts um 23 Uhr die Türe nicht zu öffnen. Zum Glück (!) regnete es. Ich robbte zur nächstgelegenen Wasserpfütze… Diese Sequenz aus meinem Film bescherte mir ein paar Tage später im Krankenhaus lautes Lachen über mich selbst. Ein geradezu groteskes Bild der Not. Ein Pfleger schaute verwirrt zur Türe herein. „Ist alles in Ordnung bei Ihnen?!“
Das erste oder letzte Lächeln? Man weiß ja nie, ob überhaupt und wenn ja, auf welcher Seite man nach so einer o.p. wieder aufwacht. (Haben Sie eigentlich schon Ihr Testament geschrieben? Dazu lesen Sie in einem anderen Artikel.) Bevor es losging, sagte ich noch einmal allen Ärzten um mich herum: Das linke Bein bitte, das mit dem grünen Kreuz drauf (kein Witz). Alle lachten. In guter Stimmung operiert es sich um 2 Uhr morgens bestimmt nochmal so gut und die Anästhesie wirkt freundlich…
– Wer Humor hat, ist definitiv im Vorteil. Das Stilmittel des „comic relief“ wusste nicht nur Shakespeare in seinen Dramen formvollendet einzusetzen. Glauben Sie es mir nicht, probieren Sie es aus. Es funktioniert auch im echten Leben und muss ja nun wirklich nicht die Wasserpfütze sein. Selbst eine mental gedachte Clown Nase hilft.

Die goldene Chance. – Der Vorteil vom Nachteil.

Es gibt nichts Schlechtes, was nicht auch etwas Gutes hätte. Solche plötzlichen, mehr oder weniger krassen Lebensveränderungen sind eine goldene Chance, sich aus dem einen oder anderen Hamsterrad oder einem (vielleicht sogar goldenen) Käfig zu befreien. „Störung!“ Ob Sie das Hamsterrad reparieren, wieder einsteigen oder es sich jetzt einmal anders überlegen, neu einfädeln und sich Ihr neues Hamsterrad so gestalten, wie es Ihrem Leben dienlich, gesund und förderlich ist? Ob Sie die offene Käfigtüre wieder schließen oder einmal, vielleicht probehalber, hinausfliegen? – All diese Chancen liegen Ihnen jetzt quasi schon im Schoß. Was Sie daraus machen werden, obliegt natürlich ganz Ihrer Entscheidung und Verantwortung.

online Betreuung

Sich die moderne Technik zunutze zu machen, ist natürlich zeitgemäß und oft wirklich nützlich. An dieser Stelle möchte ich und das ganz besonders in diesen virulenten Zeiten, dennoch warnen. Auch hier sollte ein ausgewogenes Verhältnis von online und Präsenz menschlich unersetzbarer Dienste gegeben sein. Als ich im Krankenwagen lag, hätte mir, wenn ich nicht eh schon wie Espenlaub gezittert hätte, der Gedanke einen Schauer über den Rücken gejagt: In 10 Jahren läge ich in einem selbstfahrenden Gefährt und würde per Video angezeigt bekommen „Herzlich willkommen an Bord des Krankenwagens… Bleiben Sie bitte ruhig und entspannen Sie sich, es wird Ihnen gleich geholfen…“
Zum Glück saß neben mir ein junger Mann. Er war nicht besonders gesprächig und ich hatte auch nicht das Bedürfnis, meine Hand gehalten zu bekommen. Doch seine körperliche, ruhige, menschliche Präsenz direkt neben mir, die mich Zuversicht, Vertrauen und Sicherheit spüren ließ, war für mich unschätzbar relevant in dieser Situation. Nicht vorzustellen, wenn ich etwas Schlimmeres gehabt hätte. Ob in Familien, Krankenhäusern, Schulen, Seniorenresidenzen usw., die Zuwendung, der wohlwollende, liebevolle, körperliche Kontakt wird gemeinhin eher als zu wenig, als zu viel empfunden. Hier entfacht auch ein Tier, z.B. eine Hauskatze, ein Hamster oder ein Hund kostbare, therapeutische Wirkung. Es reicht nicht, Stofftiere zu verteilen und Roboter aufzustellen. Letzterer ist allerdings hervorragend bei der Produktion von Autos, beim Rasenmähen und Staubsaugen geeignet. – Merken Sie was? Machen Sie sich bitte Gedanken dazu und berücksichtigen Sie deren Ergebnis im Hype der online Seminare, Konferenzen und was auch immer da noch auf uns zukommen mag. Denn: Ihre Entscheidung. Ihre Verantwortung. Auch hier.

Zu guter Letzt – für Fortgeschrittene und Meisteranwärter

Im Krankenhaus kündigte ich meinem Physio-Engel an, dass das, was ich gleich sagen würde, vielleicht verrückt klingen könnte. Sie möge verstehen, dass ich als Coach Berufsoptimist sei. Gut vorgewarnt, schaute sie zunächst verdutzt, lachte dann kopfschüttelnd, als sie hörte „vielleicht ist es danach sogar besser, als vorher?“ Diese Option sollten sie sich, zumindest gedanklich, meines Erachtens immer offenhalten. Man weiß ja wirklich nie… Raten Sie einmal, was mein Plan ist.

Fazit

Wie heißt es so schön, man wächst mit seinen Herausforderungen. Im NLP ist das passende Axiom: Jeder Mensch hat alle Ressourcen, die er braucht, um mit einer Situation zurecht zu kommen oder er kann sich die Ressourcen dafür erschaffen. Das ist zumindest der optimale Fall. Doch so manch einer wird depressiv, aggressiv, zynisch, einfach rundherum ungut (auch so ein deutsches Unwort). Wie sagte mein Nachbar? – Ihre Entscheidung, Ihre Verantwortung.
Es ist wirklich schwierig. Wer langzeitig pflegt, weiß, mit welchen völlig ungeahnten Herausforderungen und Belastungen man täglich konfrontiert wird. Da liegen die Nerven schon mal blank und die Erschöpfung ist ein täglicher Begleiter. Wehe, wenn man selbst nicht gut drauf, bedürftig oder im Stress ist. Konflikte sind vorprogrammiert. Zu guter Letzt: Sie sind stark und schlau, wenn Sie sich professionelle Hilfe holen, ob mental, emotional oder körperlich. Es gibt viele gute Möglichkeiten.

Mein Angebot

Sie müssen nicht. Doch Sie dürfen, können sich Hilfe holen. Manchmal reicht eine Coaching Sitzung aus, um sich wieder in die Balance zu bringen.
Langfristig hilft auch ein NLP Kurs. Meines Erachtens ist bereits die NLP Practitioner Ausbildung  eine Schatzkiste zur Persönlichkeitsentwicklung, zur Verbesserung der Kommunikationsfertigkeiten, zum Aufräumen des eigenen Rucksacks, zur Konfliktstärkung.

Für ein unverbindliches, persönliches Kennenlernen kommen Sie am besten zu einem Erlebnisabend „Ihr Sprung aus dem Hamsterrad“ – Der nächste ist am Dienstag, 18. August 2020 um 19 Uhr (per online zoom). Die Anmeldung für den nächsten Kurs (Start 15.01.2021) läuft nämlich bereits.

Widmung
Diesen Artikel widme ich allen, die mir geholfen haben, durch Ihre beharrliche, wohlwollende (nächtliche!) Präsenz (mein Coach, Kollegin Karin, die zwei Mädchen und Liljana am Unfallort), durch ein glasklares Wort (mein Arzt Nachbar Kurt), durch ihre meisterliche, freundliche Professionalität (Chirurg Michelangelo und alle Ärzte, Pfleger auf dem Weg zu ihm, mein persönlicher Lieblingsarzt Dr. Christian) und alle meine Lieben, die mir mit jedem freundlichen Wort und vielen extra Handgriffen helfen (Carlos, Yoga Tanja, Britta – meine kreative Physiotherapeutin, meine NLP Practitioner und Masterkurs Teilnehmer, meine Coaches, alle Sie, Ihr und Du).
– Von Herzen Dankeschön!

 

 

 

 

 

Vanessa Vetter – die Frau für Veränderung. Because change is your chance.

Urheberrechtlicher Hinweis
Respekt, Fairness und Wertschätzung sind mir sehr wichtig. inmetra® ist eine eingetragene Marke. Alle Rechte liegen bei Vanessa Vetter. Texte oder Textteile dürfen Sie nur mit ausdrücklicher, schriftlicher Erlaubnis nutzen.

Möchten Sie etwas dazu sagen?