Farbe. Stil. Image. – Ausdruck oder Eindruck?

Artikel erstellt in Allgemein, Coaching, Training
Farbe. Stil. Image. – Ausdruck oder Eindruck?

Letzte Woche war ich auf einer Veranstaltung des Bundesverbandes Farbe Stil Image e.V. mit dem Titel „Mit Business-Knigge stilvoll durch den Arbeitsalltag“. Hier teile ich mit Ihnen Wissen und meine Gedanken, die Ihnen mit Inspiration und Provokation zu mehr Verständnis der Zusammenhänge und natürlich noch mehr Lust auf die Entfaltung in Ihr besseres Selbst hinein dienen mögen.

Etikette  und Stil – Grundlagen

Aneignen oder auffrischen lassen sich die Grundlagen: Smalltalk, Anlaß angemessene Kleidung, Farblehre. Bei den Damen: wie viele Schmuckstücke, wie die Haare, welches Make-up, wie lange darf der Rock sein, wie tief die Bluse ausgeschnitten, welche Farben, welche Schuhe mit wie hohen Absätzen… Bei den Herren: Jackett ohne / mit -wie vielen- Schlitzen und Knopfreihen, welcher Kragen, welche Schuhe, Krawatte oder Einstecktuch – welche Farben? usw.; beim Geschäftsessen: Alkohol ja oder nein, wohin mit der Serviette, welches Gericht in welcher Preisklasse bestellen, wann mit dem geschäftlichen Thema beginnen und wie lange darf das alles dauern…

Entscheidende Fragen

In diesem Kontext meint „Image“ im Englischen das Wort für das Bild, das andere von uns haben, die Darstellung, der Ruf. Was wollen Sie mit Ihrer Kleidung, mit Ihrem Erscheinungsbild bei sich selbst, bei anderen bewirken? Wollen Sie sich aus Selbstzweck ausdrücken oder wollen Sie einen Eindruck hinterlassen? Welchen?  Sind Sie interessiert daran, in Uniform nicht aufzufallen oder wollen Sie sich für eine bestimmte Position – zu der Sie bereit sind – präsentieren? Wollen Sie eher kompetent, sportlich oder sexy wirken? Kurz: Mit welchem „Etikett“ sind Sie unterwegs?

Das ist gar nicht so einfach herauszufinden. Menschen sind in Mustern verstrickt, die sie nicht selbst gestaltet, sondern von Eltern, der Gesellschaft, dem regionalen Raum oder der Branche übergestülpt bekommen haben. Da braucht es mitunter einen ehrlichen, kritischen Blick in den Spiegel und von außen professionelle Unterstützung, um das wahre Ich im Revoluzer und in der Angepassten (…) zu entdecken.

Authentizität

Auch bei diesem Vortrag kam der Einwand wieder (ich liebe ihn), „ich will mich doch nicht verbiegen!“ Ich bin der Ansicht, dass wir immer authentisch sind. Authentisch daneben, authentisch stillos, authentisch ungepflegt, authentisch Programm xyz, authentisch künstlich, authentisch eine Mogelpackung oder authentisch echt, freundlich, kompetent, fair, offen…. – Verstehen Sie, was ich meine?

Scheinen oder Erscheinung

Lassen Sie es mich so formulieren: Hätten Sie Lust darauf, im jeweiligen Kontext das aus Ihnen erscheinen zu lassen, was Sie zu diesem Zeitpunkt, mit diesen Menschen, zu diesem Thema scheinen lassen wollen?

Menschen haben doch so viele Facetten ihrer Selbst. Üben Sie sich in Flexibilität, dass Sie immer das wählen können, was Sie von sich zeigen und bei anderen im Vordergrund sehen wollen. Gleichzeitig dürfen Ihre anderen Seiten weiterhin vorhanden sein, doch darauf werfen Sie in diesem Moment nicht den Scheinwerfer. Die Frage des richtigen Zeitpunkts für wen, wie und was ist übrigens auch relevant.

Die Basis heißt Rapport

Rapport – so kann ich hier kurz sagen, ist alles, was förderlich ist, Menschen in Kontakt zu bringen, in eine Beziehung, auf eine Wellenlänge, in der sie dann bereit und offen sind, Informationen zu senden und zu empfangen. Kein Rapport – keine Sendung. Das hat nichts mit Sympathie oder Freundschaft zu tun, mit Nachäffen oder mit Manipulation. Es ist der eigene Beitrag, die Basis zu schaffen, mit einem Menschen in diesem Moment in Beziehung zu treten. In entscheidenden Momenten im Leben wollen Sie es doch nicht dem Zufall überlassen, oder? Unabhängig vom fachlichen Inhalt, können Sie mit Rapport den relevanten Unterschied für die Basis von gutem Gelingen einer Begegnung schaffen.

Aus meiner Sicht ist das eines der wichtigsten „tools“, die ich im Modul Kommunikation I im NLP Practitioner Kurs vermittle. Hier lernen die Teilnehmer, was unbewusst zwischen Menschen passiert, verbal und nonverbal – z.B. durch Gestik, Mimik, innerer und äußerer Haltung. Kleidung und Frisur sind selbstverständlich wie Sprache, kultureller Hintergrund, Rauchen, Hobby und Beruf neben vielen anderen Aspekten rapportfähig.

Ich lehre die Fähigkeit eines Perspektivwechsels zum Gegenüber. Dieser ist notwendig: In welcher Welt bewegt er sich? Was ist dort usus, wichtig, (nicht) akzeptiert usw. Sie schauen, wo Sie dem anderen entgegenkommen können, ohne sich selbst zu verstellen. Es ist auch die Fähigkeit zu Respekt und Wertschätzung nötig – sich selbst, dem anderen gegenüber und für die Sache.  Sie schaffen die Beziehung, die Sie für das Gespräch brauchen, wenn Sie wirklich verstanden oder gehört werden wollen; wenn Sie wirklich Verständnis und Gehör bieten möchten.

Ausdruck oder Eindruck – Beispiele

Die Frage einer Lehrerin, die an der Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode  lehrt, mag dies verdeutlichen. Sie brachte ihre Ratlosigkeit zum Ausdruck, wie sie Schülerinnen trotz bester Schulung und Übung das Gespür vermitteln könne, dass Highheels mit Plateau und ein „Gürtel“ als Rock mit einem neonfarbenen Top nicht abschlussprüfungstauglich ist oder das passende outfit für eine besondere Familienfeier. In der Tat: Eine Herausforderung. Vielleicht hilft dieser Gedanke:

„You never geht a second chance to make a first impression“ heißt auf Deutsch “Sie bekommen nie eine zweite Chance für einen ersten Eindruck”. Es kommt also darauf an, zu wissen, als was oder wer Sie in Erinnerung (Ausdruck oder Eindruck) bleiben wollen, und ob Ihnen das Feedback, das Sie erhalten (z.B. die Bewertung in einer Prüfung, die Empfehlung für einen Job, Kontakt oder Auftrag), egal ist. – Dann ist es nämlich wirklich egal!

Gloria von Thurn und Taxis hatte als junge Frau durch ihren Selbstausdruck Eindruck gemacht. Sie ist hauptsächlich aufgefallen als „die Punker Prinzessin“.  Auf keinen Fall war ihr Name damals mit „Kompetenz“, „Unternehmerin“, „Erfolg“ konnotiert, denn sie war aus ihrer Rolle als Prinzessin gefallen und damit vielleicht „cool“, jedoch nicht salon-, d.h. bei Ihresgleichen rapportfähig. Sie mag sich in ihrer Haut wohl gefühlt haben, doch die anderen um sie herum? Seit langer Zeit (er) scheint Gloria eher dezent und in eigener Haarfarbe, mit Perlenkette, im Kostüm… seriös, zeitlos, überzeugend und echt: Fürstin.

Nehmen Sie dagegen Nina Hagen. Ihr Name ist Programm. Sie ist vielseitige Sängerin und Schauspielerin. Schrill, provozierend, überraschend – immer wieder anders sie selbst. – Haben Sie etwas bemerkt? Genau! Nina Hagen ist nicht unternehmerisch aktives Oberhaupt einer wichtigen Adelsfamilie. Sie ist Künstlerin.

Frauen und Männer

Wenn Sie Ihre schönen, langen, blonden Haare zur Schau tragen oder in Stilettos am Arbeitsplatz erscheinen (ich weiß, die sind so bequem wie Hausschuhe, daher tragen Sie sie auch zuhause); wenn Sie tiefe Ausschnitte und kurze Röcke lieben. Bleiben Sie dabei, wenn Sie sich wohl fühlen, das als Mittel zum Zweck nutzen (funktioniert bei vielen Männern) oder als „sexbomb“ in Erinnerung bleiben wollen. Seien Sie sich Ihrer Wirkung und der möglichen Assoziation Ihres Gegenübers bewusst. Wundern Sie sich jedoch nicht über bestimmte Anliegen und Anfragen, die Ihnen regelmäßig (nicht) entgegengebracht werden. – Männer suchen sich bitte die für sich passende Metapher selbst aus.

Einzigartigkeit als Grundrecht

Seien Sie kreativ. Wie können Sie Ihrer Einzigartigkeit besonderen Ausdruck verleihen? Wo, wann und wie (viel) zeigen Sie eher Ihre mütterliche, Ihre mädchen- oder jungenhafte, Ihre strenge, nette, Ihre fachlich-kompetente, Ihre sportliche, Ihre erotische, Ihre unkomplizierte, provokante, … welche Seite und welches Talent auch immer?

Meine Empfehlung ist:

1. Seien Sie wiedererkennbar, wenn Sie wieder erkannt werden möchten – egal in welchem Kontext.

2. Geben Sie sich in jedem Fall Mühe. Wertschätzen Sie sich damit selbst, Ihr Gegenüber und die Gelegenheit. Das heißt nicht, dass Sie sich unwohl fühlen sollen, ganz im Gegenteil. Finden Sie heraus, was insgesamt, nicht nur für Sie selbst gut ist. – Die anderen sollen sich doch mit Ihnen auch wohl fühlen, oder nicht? Bestenfalls sollen sie sich für Sie interessieren für das, was Sie zu sagen oder anzubieten haben.

3.Wenn Sie bemerkt werden wollen, seien Sie bemerkenswert. Lassen Sie Ihre schönsten Saiten erklingen.

Ihr Gegenüber muss übrigens ihr Outfit keineswegs nachahmenswert finden. Sie werden ansprechend sein, wenn sie stimmig, sind, d.h. wenn Sie Farben tragen, die Sie zum Strahlen bringen, wenn Sie sich insgesamt in Ihrer Haut und in Ihrer Klamotte wohlfühlen; wenn Ihr Fühlen, Denken und Handeln im Umfeld kongruent sind. Diesen letzten Halbsatz könnten sie sich merken wollen.

It is simple but not easy – Es ist einfach, aber nicht leicht

In der Tat faszinieren mich Menschen in all ihren Facetten und Erscheinungsformen, mit all ihren Herausforderungen, Ängsten, Nöten, Sorgen, Freuden, Erfolgen, in ihrer Brillanz und in ihrer Einzigartigkeit. Kultur-, status- und branchenübergreifend – wir haben immer unser Gesamtpaket dabei. Es ist einfach und komplex gleichzeitig. Es spiegelt sich die Persönlichkeit, die Herkunft, Geschichte und die Einstellung eines Menschen nicht nur in der äußeren Erscheinung in Form von Kleidung, Schmuck, Accessoires und im Fahrzeug (damit lässt sich sehr leicht Eindruck schinden -heißt, zu einer bestimmten Assoziation manipulieren). Hier wird es etwas schwieriger, denn das Gesamtpaket zeigt sich beim Menschen unbewusst – in den Augen, im Blick, in der Stimme, Sprache, im Gang, in der Haltung, in der Art und Weise der Bewegung. Es nützt Ihnen das maßgeschneiderte Kostüm nach einer wertvollen Stilberatung nichts, wenn Sie beim Vortrag so einen Stress haben, dass Sie den roten Faden verlieren oder mit Ihren Karteikarten sich selbst durcheinanderbringen; wenn Ihre Stimme „piepsig“ ist, Sie zu hoch, zu schnell oder monoton sprechen, wenn Sie innerlich eigentlich davon überzeugt sind „das interessiert hier doch eh niemanden“. Oder wenn Sie als einzige Frau vor einer Gruppe von Männern sich wieder wie bei Ihren Eltern als das kleine Mädchen fühlen, das ein Gedicht aufsagen muss (usw.). Das sind Dinge, die in einem Coaching gestaltbar sind.

Motivation heißt Bewegung

Bringen Sie sich in Schwung, machen Sie sich schlau und fit. Interessieren Sie sich, reflektieren Sie sich, räumen Sie bei sich im Innen und Außen auf und haben Sie Spaß dabei. – Dafür gibt es reichlich professionelle Unterstützung mit wundervollen Materialien, mit Coaching und Training, wo Sie neben dem Handwerkszeug und der Verabschiedung von schädlichen Verhaltens- und Denkmustern von wertschätzendem Feedback profitieren können. Der Einsatz lohnt sich.
Bei inmetra gibt es übrigens ein mehrtägiges Training mit dem Titel „Stimme. Präsenz. Vortrag.“ – Da ist von allem etwas dabei.

Fazit

Verbiegen Sie sich nicht. Seien Sie gut zu sich selbst. Doch wenn Sie eine Prüfung haben, lassen Sie nicht Ihren Punk raushängen. Wenn Sie einen Vortrag in der Geschäftsleitung halten dürfen, zeigen Sie nicht Ihre Pippi Langstrumpf. Wenn Sie auf einer Tauffeier eingeladen sind, seien Sie nicht eine einzige Provokation oder lassen Ihre Gastgeber beim Anblick Ihres „vamp“ vor Scham erröten. Wenn Sie das vorhaben, bleiben Sie fair und lieber zuhause. Wenn Sie zu einer Hochzeit geladen sind, stehlen Sie der Braut nicht die Schau ohne sich mit ihr darüber abgestimmt zu haben (Pippa durfte das, sie suchte noch einen Mann…).

Widmung
Ich widme diesen Beitrag den beiden Vorstandsdamen des Bundesverbandes Farbe Stil Image e.V. Petra Schreiber und Birgit Eggerding. Ich wünsche Ihnen und den Herren und Damen des Verbandes weiterhin stilvolle, farbenfrohe, Image gerechte Erfolge und viel Freude beim Bewirken.

Urheberrechtlicher Hinweis
Respekt, Fairness und Wertschätzung sind uns sehr wichtig. inmetra® ist eine eingetragene Marke. Alle Rechte liegen bei Vanessa Vetter. Texte oder Textteile dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung genutzt werden. Lassen Sie mich bitte wissen, wenn Sie daran interessiert sind.

4 Kommentare

  1. Sabine
    28. September 2015

    Authentisch sein, heißt stimmig mit sich selbst sein. Das ist schon mal die halbe Miete. Danach geht’s um das stimmig sein mit meinem jeweiligen Gegenüber. Je nach Anlass muss ich dann vielleicht mal das eine „Kleid“ gegen ein anderes eintauschen. Denn ich finde, es geht hier auch um Respekt für meine Umwelt. Also um die Frage: In welchem Kontext bewege ich mich und was ist hier passend? Bei Konformität ist man da meistens noch lange nicht. Denn unser Spielfeld in Sachen Kleidung, Frisur, Schmuck, Make up, Gestik, Mimik, Verhalten usw. ist aus meiner Sicht groß genug, um die ganz individuelle Persönlichkeit – trotz feinster Abstimmung auf die Umwelt – weiterhin in ganzer Pracht zum Ausdruck zu bringen. Sabine Grözinger, Unternehmerin http://www.arbach.de

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    • inmetra
      28. September 2015

      Liebe Sabine Grözinger,

      ich hoffe, dass das ganz viele Damen und auch Herren lesen. Denn: Genau das ist doch der Punkt. Das macht auch Spaß …
      – Vielen Dank für die Mühe des Feedbacks.

      Beste Wünsche
      Vanessa / Vetter

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  2. Hans-Georg Drape
    5. Oktober 2016

    Ein wundervoller Artikel mit einigen Antworten, auf die man (Mann) vielleicht noch gar keine Frage gestellt hat…

    Und: wenn Menschen sich verstellen, um einen Job, Auftrag etc. zu bekommen, sind sie dann wirklich das, was man „authentisch“ nennt? Bleibt in beiderseitigem Interesse zu hoffen, dass das Vorhaben misslingt – andernfalls fangen manche Probleme erst dort an…

    Herzlich Ihr
    Hans-Georg Drape
    Akademie StepIng
    drape@step-ing.de
    http://www.step-ing.de

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    • inmetra Mediation Training & Coaching
      5. Oktober 2016

      Guten Tag Herr Drape,

      haben Sie vielen Dank für Ihren inhaltsreichen Kommentar – von Ihnen als Fachmann eine besondere Ehre. – Alles Gute!

      Vanessa Vetter, inmetra

      Antworten

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