Grüßen Sie Gott oder wen auch immer, doch grüßen Sie!

Artikel erstellt in Allgemein, Coaching, Kommunikation, Mediation
Grüßen Sie Gott oder wen auch immer, doch grüßen Sie!

Die „durchgeknallte Deutsche“ (siehe Artikel mit diesem Titel) hat sich diese Angewohnheit zu eigen gemacht: Sie grüßt Menschen, die sie gar nicht kennt; einfach nur, weil es eine menschliche Begegnung ist. „Ich sehe Dich.“ Natürlich nicht alle in der Fußgängerzone. Natürlich nicht jeden auf einem belebten Flughafen.

Freundlich, wenigstens an Weihnachten.

An Weihnachten machte ich eine interessante Erfahrung. Ich ging mit meiner Mutter spazieren und grüßte die Menschen, denen wir auf dem Weg begegneten: „Frohe Weihnachten!“ Eine reichhaltige Palette von Reaktionen kam, wie ein Bumerang, zu mir zurück. Die Mimik Expertin in mir hatte reines Vergnügen im Gesicht stehen: „Wer ist denn das? Kenne ich diese Frau?“ las ich da irritiert und etwas betreten „stimmt, es ist Weihnachten, da könnte man ja wirklich mal grüßen“. „Spinnt die? Was spricht mich diese wildfremde Frau an?“ war auch dabei und ein wohlwollendes „wie freundlich“. Das eine oder andere nette Gespräch hatte sich auch ergeben. „Man sieht sich“ ja vielleicht wieder. Meine Mutter ist inzwischen mehr schlecht als recht daran gewöhnt, dass ich „komische“ Sachen mache, dass ich den Busfahrer, die Menschen im Aufzug und die Müllmänner grüße und hat sich, so jedenfalls mein Eindruck, des allseits erwiderten Weihnachtsgrußes erfreut. Was meinen Sie, passiert, wenn ich einem fremden Kind zuwinke? Genau! Es winkt, jedenfalls, wenn es noch nicht vergesellschaftlicht (vergesellschafft) ist, spontan mit einem Lachen zurück. Ein Kind fragt nicht „warum macht die das?“ Manchmal bleibt es vor den Eltern mit meinem Augenzwinkern unser stilles Geheimnis. „Was geht diese Frau mein Kind an?!“ – Oh je…

– Warum also grüßen?

In meinen Kommunikationsseminaren erkläre ich es gerne mit der folgenden Metapher. Wenn sich Hunde begegnen, dann schnüffeln sie sich an. Diesen nonverbalen Austausch stelle ich mir etwa so vor: „Ich bin ein Hund und Du bist ein Hund. Wir erkennen uns als gleichartige Wesen. Schön, einen von den meinen zu treffen. Wollen wir mehr miteinander zu tun haben oder nicht? Kann ich Dich gut riechen?“ Wenn sich Menschen begegnen, dann bin ich immer wieder erstaunt, dass sie sich vermeintlich ignorieren oder sich gar nicht wahrnehmen. Wenn man sich wahrnimmt, dann sollte das jedoch kein Geheimnis bleiben. Es gilt, verbal oder nonverbal diesen Kontakt mit einem Blick zu würdigen.  „Hallo“, „Salve“, „Hi“, „guten Tag“, „moin“, „ei guude wie“ heißt es hier in Hessen. In Bayern höre ich ab und zu noch „habe die Ehre!“ Ist das nicht wunderbar, sich die Ehre der Begegnung auszusprechen? Sollten Sie sich von anderen nicht „gesehen“, gewertschätzt fühlen, probieren Sie diesen (inneren wie äußeren) Gruß einmal aus und lassen Sie sich überraschen, was passiert. Nonverbal gibt es größere und kleinere, herrliche Gesten, die zum Teil leider vom Aussterben bedroht sind: Es zieht jemand den Hut zum Gruße. Es streckt Ihnen jemand die Hand entgegen. Es winkt Ihnen jemand zu. Küss die Hand gnädige Frau! Sie nicken jemandem zu. Sie zwinkern jemandem zu. Wenn Sie Glück haben, hat Ihnen vielleicht jemand unlängst  bei der Verabschiedung eine Kusshand zugeworfen. – Und klar, Sie dürfen es beim Gruß belassen oder mit der Schulter zucken, wenn Ihr Gruß nicht erwidert wird. Es muss ja nicht „auf Wiedersehen“ sein; „tschüss“ oder „adieu“ geht auch und heißt beides „zu Gott“… [Das ist einer meiner privaten Witze: Da ich aus Bayern komme und deswegen naturgemäß das „Grüß Gott“ auf meiner Zunge liegt, kenne ich die ausgesprochen blöden Rückmeldungen dazu, z.B. „wenn ich oben bin, sag´ ich es ihm“. Diese Leute sagen dann gerne betont „tschüss“. – Das heißt, etymologisch gesehen, genau dasselbe! Und so bleibe ich immer mit einem Lächeln zurück.]

„Er sieht mich ja nicht einmal an!“

Das Schlimmste, was man einem Lebewesen antun kann, ist, es zu ignorieren. Da gab es streitbar gruselige Tests und Versuche dazu, die ich gar nicht ausführen möchte. Sehen und gesehen werden ist für uns Menschen lebensnotwendig. Persönliches Wachstum anregen können Sie jedoch nur, wenn Sie wohlwollend, freundlich, friedlich und wertschätzend auf jemanden blicken. Sich eines (wohlwollenden) Blickes würdig sein, heißt es linguistisch. „Ich sehe Dich“ – in all Deinem Glück, Deiner Not, Deinen Verstrickungen und in Deinem Schicksal, ist die Übung dazu. Davor brauchen Sie an und für sich gar nicht in ein inhaltliches, sachliches Gespräch einzusteigen. Der berühmte „small talk“ versucht ebenfalls, Kontakt zu schaffen. In der Kommunikationspsychologie ist das Schritt Null, bevor Rapport hergestellt werden kann. Rapport, so könnte man sagen, ist die Schaffung einer guten Gesprächsbasis, einer Atmosphäre, in der es gut gelingen mag. Ich bin im Kontakt mit meinem Gegenüber. Nur dann kann ich auch Tacheles sprechen oder einen Konflikt klären.

Fazit

Die Übung ist einfach und beginnt, sobald Sie einen Schritt aus Ihrer Haus- oder Geschäftstüre wagen. „Ich sehe Dich“ ist eine innere Einstellung, eine Haltung, zu der Sie sich entscheiden können. Jetzt zum Beispiel. Grüßen Sie also Gott oder wen auch immer, wenigstens gedanklich, doch grüßen Sie! Ach ja, und vergessen Sie die Person nicht, die Ihnen morgens im Spiegel entgegenblickt… Die sollte Ihnen doch eines gefälligen Blickes würdig erscheinen.

Ach ja, und das hat bestimmt nichts damit zu tun und ist Ihnen wohl noch nicht passiert: Ein Müllwagen blockiert die Straße. Als mich der Fahrer wahrnahm, mühte er sich, in der engen Frankfurter Seitenstraße, um irgendwie eine Möglichkeit zu schaffen, mich vorbei zu lassen, obwohl ich ganz entspannt und geduldig wartete. Es war eine schöne Begegnung. Und nur am Rande mag ich erwähnen, dass Müllmänner zu meinen persönlichen Helden gehören, die ich natürlich immer mit einem breiten Lächeln und einem „Dankeschön“ für Ihre Arbeit in den Tag grüße.

Ein herzliches Servus (zu Ihren Diensten), Ihre

 

 

 

 

 

Vanessa Vetter – die Frau für Veränderung. Because change is your chance.

Es sind noch ein paar Plätze frei!

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Urheberrechtlicher Hinweis
Respekt, Fairness und Wertschätzung sind mir sehr wichtig. inmetra® ist eine eingetragene Marke. Alle Rechte liegen bei Vanessa Vetter. Texte oder Textteile dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung genutzt werden. Lassen Sie mich bitte wissen, wenn Sie daran interessiert sind.

 

 

 

2 Kommentare

  1. Annette Seliger
    2. September 2019

    Liebe Vanessa,

    ich winke dir per Mail zu und grüße dich und bedanke mich bei dir.
    Du hast meinen Morgen mit deinem Post heller und freundlicher gemacht.

    Grüße von Annette

    Antworten
    • inmetra
      8. September 2019

      Liebe Annette,

      wow! Ich bin berührt und deswegen ganz herzlichen Dank für Deine Rückmeldung zu diesem Artikel. Natürlich ist es mein Wunsch, Menschen mit meinen Texten „zu erwischen“ und wenn ich es schaffe, einen ganzen Tag heller und freundlicher zu machen, dann ist … Doch Moment mal! Eigentlich hast Du das doch selbst gemacht, denn ich schrieb ja nur einen Artikel.

      Wie auch immer Du es gemacht hast, Du hast Dich damit selbst erinnert, wie Du es jederzeit wiederholen kannst.

      Mit einem herzlichen Augenzwinkern von
      Vanessa

      Antworten

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