Hilfe! – Gibt es etwas, was ich für Dich tun kann?

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Hilfe! – Gibt es etwas, was ich für Dich tun kann?

Ein Klient, der sich in eine sehr unerfreuliche Lebenssituation manövriert hatte, sagte beim Verabschieden, es sei für ihn „schockierend, dass man in so einer Situation keine Hilfe bekommt“.  Gemeint war, dass sich in „Saure-Gurken- Zeiten“ bewährte Freunde, Bekannte und Kollegen plötzlich rar machten. „Es wäre so hilfreich, wenn es jemanden gäbe, der für mich einkaufen geht, mir etwas zu Essen kocht, mich bei sich für eine Weile wohnen ließe oder wenigstens ein paar organisatorische Telefonate für mich erledigte…“

Wäre es noch innerhalb des Coaching Gespräches gewesen, was meinen Sie, hätte ich ihn gefragt? Diese Frage stelle ich jetzt Ihnen, weil ich sie wirklich wichtig finde.

In einer Zeit, wo jeder augenscheinlich nur mit sich und so vielen Anforderungen in seiner eigenen Welt beschäftigt ist: Kinder versorgen, Eltern betreuen, Partner, Garten, Haustiere, Beruf und all das und oft noch mehr gleichzeitig. – Uff! Wenn jetzt noch die Freunde in Not kämen, oh je.

Keiner hilft mir!

Einmal mehr Hand aufs Herz: Haben Sie schon einmal jemanden, der in einer schwierigen Situation war, spontan Ihr Sofa, ein Zimmer, Ihre Zeit, ein Hinbringen oder Abholen angeboten? Haben Sie schon einmal genau nachgefragt und nicht nur als Begrüßungsfloskel: „Wie geht es Dir? Gibt es etwas, was ich für Dich tun kann?“

Ich erinnere mich an eine Freundin, die in verschiedener Hinsicht aus einer Beziehung und einem Land gestrandet war. In meiner kleinen Berliner Wohnung hatte ich „nur“ mein Schlafsofa im Wohnzimmer, meinen Wohnungsschlüssel, einen vollen Kühlschrank, gute Laune, positive Energien und Frieden anzubieten. Sie blieb ein paar Wochen, so lange, bis sie wieder Boden unter den Füßen hatte und wusste, was ihr nächster Schritt sein sollte. Dann hatte ich noch eine ganze Weile all ihre Habseligkeiten in meinem Keller deponiert, gerne sogar.

Eines Tages werden Sie froh sein, …

Aus Ihrer eigenen Lebenserfahrung heraus wissen Sie, dass für ein „jetzt fühle ich mich besser“, bereits reicht, wenn Sie wissen, es gibt jemanden, der Ihnen vertraulich die Hand reicht und Ihnen zur Seite steht, ohne eine Meinung in Ihrer Angelegenheit zu haben. Ob sie das Angebot dann annehmen, oder nicht, ist eine andere Sache. Sie haben jedenfalls eine Rückenstärkung.

Sie wissen vielleicht heute noch nicht, wie essentiell es für Sie eines Tages sein kann, wenn jemand an Sie glaubt und Ihnen Unterstützung anbietet. Manche Menschen glauben selbst nicht mehr an sich. Ich hoffe, Sie wissen nicht, wie schrecklich das ist. Wenn man nicht mehr an sich selbst glaubt und auch sonst niemand an einen glaubt, dann ist man wortwörtlich: Verloren.

Es ist bereits alles vorhanden

Es braucht nicht viel: Ein Sofa. Eine Stunde Zeit oder die Einladung, am gemeinsamen Abendessen oder am Wochenendausflug zu partizipieren. Manche sind sogar froh um eine Ablenkung, beschäftigen sich mit längst überfälligen Arbeiten, machen mit den Kindern einen Ausflug oder gehen mit dem Hund spazieren. Die ernst gemeinte Frage „gibt es etwas, was ich für Dich tun kann?“ ist eine sehr gute Frage. Sie ist verhandelbar und kann gefühlt ein Leben retten. Ich lade Sie ein, sie zu stellen. Denn eines schönen und vielleicht ganz normalen Tages werden Sie vielleicht sehr froh sein, wenn Sie diese Frage beantworten dürfen!

Ihr eigener Nutzen: Wenn Sie bis dahin das freundschaftliche oder einfach nur mitmenschliche Angebot praktiziert haben, dann fällt Ihnen was leichter? Ja, genau: Um Hilfe zu bitten! Denn Ihre so mit ihrem Leben beschäftigen Freunde sind gerade so absorbiert, dass sie nur mit einer ausdrücklichen Bitte aufwachen und Sie in Ihrer Not sehen könnten. Doch sie fragen ja nicht einmal, weil sie erwarten, dass die Freunde hellsehen sollten oder was?

„Ich sehe Dich!“ ist eine in meinen Kursen oft verkannte Lebenspraxis. Wenn Sie jemand aus guten Gründen gerade nicht sehen kann, dann machen Sie sich bemerkbar und statuieren nicht blanko „niemand ist für mich da“. Das gilt übrigens auch für Familienmitglieder, Bekannte, Kollegen, Nachbarn, wen auch immer. – Rühren Sie sich!

Weitwinkel versus verpeilt

Es ist insgesamt eine Überlegung wert, durch die Welt mit allen Sinnen im Weitwinkel Fokus zu laufen. Da kriegen Sie eine Menge mit, wo jemand gerade mal ein gutes Wort oder einfach nur eine Hand brauchen könnte. Diejenigen, die mit mir unterwegs sind, staunen immer, was ich alles so nebenbei mache: Hier ein orientierungsloser Blinder, dort eine Frau mit der Krücke an der Haltestelle, an die Wand gelehnt jemand mit Kreislaufproblemen oder eine nachts in Tränen aufgelöste junge Frau auf der Straße, deren Freund an diesem Tag mit ihr Schluss gemacht hat. Ich praktiziere das schon ein paar Jahrzehnte. Damals beschwerte ich mich noch, dass der Rüpel mir die Türe ins Gesicht fallen ließ und mir niemand half, den schweren Koffer die Treppen runter zu tragen. Wissen Sie was?

Wunderwelt

Ein Wunder ist passiert. Solche Menschen treffe ich nicht mehr. Ganz im Gegenteil, „darf ich Ihnen den Koffer runtertragen“ überraschte mich ein junger Mann am Nürnberger Hauptbahnhof, als ich mit sehr viel Trainergepäck unterwegs war. Und ich könnte Ihnen viele Beispiele nennen. Natürlich ist kein Wunder passiert. Ein Wunder wäre, wenn das nicht passieren würde. Im Rest der Fälle bitte ich um Unterstützung und da staunen sogar meine Mitpilger auf dem Jakobsweg, mit was ich so um die Ecke komme: Aus dem vermeintlichen Nichts. Ein Bonmot sagt „wie man in den Wald hinein ruft, so ruft es zurück“. Es ist eine Frage der Haltung, der energetischen Resonanz. Denn es ist immer jemand da, der sogar gerne hilft, möglicherweise bloß jemand ganz anderer, als sie es je vermuten würden. Und wer weiß, vielleicht in dem Moment besser, als jemand, den Sie sich an die Seite wünschten. Das ist die Übung: Achtsamkeit anderen gegenüber praktizieren. Damit sie es auch mitkriegen, hieße allerdings, dass Sie wesentlich weniger in Ihr Mobiltelefon schauen und sehr viel mehr in Ihre Welt hinaus und zu den Menschen, die sich gerade in diesem Moment mit Ihnen in eben dieser befinden.

Ich bitte Sie, darüber nachzudenken. Und nicht zu viel, denn hier braucht es keinen Coach, nicht viele Worte, vielmehr Taten und einmal mehr, das Herz am rechten Fleck…

Ihre

 

 

 

 

 

 

Vanessa Vetter – die Frau für Veränderung. Because change is your chance.

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Respekt, Fairness und Wertschätzung sind mir sehr wichtig. inmetra® ist eine eingetragene Marke. Alle Rechte liegen bei Vanessa Vetter. Texte oder Textteile dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung genutzt werden. Lassen Sie mich bitte wissen, wenn Sie daran interessiert sind.

2 Kommentare

  1. Sabine
    3. Februar 2020

    Ich kann nur bestätigen, wie sehr Vanessa Vetter genau diese Lebensweise der spontanen Hilfsbereitschaft praktiziert. Ich konnte selbst schon davon profitieren und es tat unendlich gut.
    Und erst eine eigene heftige Krise und nur die größte Not haben mich gelehrt, aktiv um Hilfe zu bitten.

    Antworten
    • inmetra
      11. Februar 2020

      Liebe Sabine,

      danke Dir, Du aufmerksame Leserin, für Deine Rückmeldung und Deine Ermutigung, um Hilfe zu bitten.

      Als der Artikel erschien, viel später als ich ihn schrieb, war ich „zufällig“ gerade dabei, zwei Tage meines Lebens meiner Mentorin zu schenken. Die 90jährige, erblindete Dame war kürzlich verwitwet und als ich sie am Telefon deprimiert sagen hörte, „meine Freundin könnte mich in S. (einer Stadt 700 km vom Altersheim in Ostbayern entfernt) aufnehmen“, hörte ich mich unvermittelt sagen: „Ich kann diese Woche oder Ende Februar. Überlegen Sie es sich bitte bis morgen.“ Am nächsten Tag klang sie wieder lebendig. Gesagt, getan. Der „Ritt“ sitzt mir immer noch in den Knochen, doch ich würde es jederzeit wieder tun.

      Es war keine Frage, dass weder die eigene Tochter, noch der Sohn oder die erwachsene Enkelin zur Disposition standen. Das Gute liegt so nah und manchmal ist es eben jemand ganz anderer, als man denkt. Den Satz „Sie hat der Himmel geschickt“ höre ich öfter.

      Also: Angeboten und um Hilfe gebeten! Das ist eine meiner großen Lektionen vom Jakobsweg. Heute Abend ist wieder Pilgerinfo bei inmetra…

      Danke Dir, Sabine. Alles Liebe und viel Glück weiterhin,
      Vanessa

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