Ihre Körpersprache – Verräter, Sparringspartner oder Funkloch?

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Ihre Körpersprache – Verräter, Sparringspartner oder Funkloch?

Die Körpersprache ist unsere Primärsprache. Logisch, wir kommen als Winzling irgendwo auf der Welt auf eben diese und dann geht es erst einmal los, mit Grimassen der Mama verständlich zu machen, welche Primärbedürfnisse gerne erfüllt werden möchten. Dann kommen Hände und Füße dazu…

Dornröschenschlaf

Als Erwachsene beschäftigen wir uns nicht mehr damit. Denn wir haben jetzt zwar nicht Kommunizieren, doch zumindest einmal Sprechen gelernt. Das, was uns die Eltern, Großeltern, die Geschwister, Nachbarn, Freunde und Lehrer eben so vorbabbeln, mehr oder weniger vorteilhaft. Die Körpersprache ist ins Unbewusste abgetaucht und scheint nicht mehr relevant zu sein.

Trugschluss

Das Gegenteil ist der Fall. Es ist ja unsere Primärsprache. Samy Molcho, einer meiner geschätzten Lehrer und ein  Körpersprache Experte par excellance, sagt humorvoll: „Unser Körper ist der größte Schwätzer, der herumläuft.“ Während wir ach so schlau daherfabulieren, verrät er, ob und wie wir das Gesprochene wirklich meinen. Das ist definitiv nicht der Fall, wenn die Physiologie, also Mimik, Haltung, Körper, im weitesten Sinne auch die Stimme, eine Inkongruenz aufweisen, d.h. wenn das Gesprochene und das Gezeigte nicht übereinstimmen. Und das, was der Körper sagt, geht vor, immer.

Es lohnt sich, genau hinzuschauen!

Denn: Ein Blick sagt mehr als tausend Worte…

Unsere Stimme, Artikulation, Mimik, Gestik, Körperhaltung und die Bewegung unterstreichen das gesprochene Wort informativ, nicht nur dekorativ und sind wie eine synchrone Parallelerklärung zu dem, was wir sagen. Da viele Menschen gar nicht so gut kommunizieren können (woher auch), als sie meinen, sprechen zu können, bleibt da einiges auf der Strecke.

Missverständnisse und Konflikte sind vorprogrammiert.

Wenn das, was Sie sagen, für Ihr Gegenüber nicht klar verständlich ist und der Körper schweigt, was passiert mit dieser „Nullmimik“, diesem körpersprachlichen Schweigen, diesem „Leerlauf“? Ihr Gesprächspartner wird sich, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, aus seinem eigenen Kopfkino seine eigene Interpretation ziehen. Das ist etwas anderes, als das, was Sie selbst gerne zum Ausdruck gebracht hätten, wenn Sie es denn getan hätten. Wer ist jetzt der Kommunikationsschlingel: Derjenige, der den anderen körpersprachlich hat leerlaufen,  links liegen und sich selbst überlassen hat oder derjenige, der versucht hat, sich im nagegelegenen eigenen Hirn die Information zu ergänzen, die Sie ihm nicht gegeben haben?

Manche meiner Teilnehmer sind fast schockiert, wenn sie im Rahmen meiner NLP Ausbildung ein Feedback zu Ihrer (fehlenden, inkongruenten oder allzu reichlichen) Körpersprache erhalten. Gleichzeitig erklärt das, warum bisher das eine oder andere so gar nicht funktioniert hat und es im Team Meeting, mit dem Vorgesetzten und in anderen Kontexten nicht so recht klappt mit der Kommunikation oder immer wieder zu Missverständnissen kommt. Wenn Sie auch noch „maulfaul“ sind, ja wie im Himmel glauben Sie, dass Sie jemand verstehen soll? Oder wenn Sie vor lauter Gefuchtel den Fokus verwirbeln: Um was ging es gerade noch?

Nur Mut, denn es geht ganz einfach!

Sie können es ja schon. Nur ist Ihr Wissen in einen Dornröschenschlaf gefallen. Sie sind Ihr eigener Prinz und können es jederzeit wachküssen. Jetzt zum Beispiel.
Wahrscheinlich brauchen Sie tatsächlich etwas Mut und vor allem Aktivität (tschüss Faulheit), denn Sie müssen Leben in Ihr Gesicht, Ihre Hände, Beine und Ihren gesamten Körper bringen. Haltung annehmen. Einen Standpunkt vertreten. Position beziehen. Körperspannung aufbauen. Ihr Gesicht Bände und Ihre Hände sprechen lassen. Bis der Motor wieder anspringt, kommen Ihnen Ihre zarten Versuche nämlich bereits ausdrucksstark vor. Doch bis Ihr Gegenüber etwas davon merkt, dürfen Sie richtig Gas geben. Wenn Sie glauben zu übertreiben „und was denken denn jetzt die anderen?!“, dann fangen Sie gerade einmal an, sichtbar verständlich zu werden. – Bleiben Sie dran!

Vorbilder und Modelle zum Üben

Besondere Freude bereitet mir die Beobachtung von Kindern (die können es noch) und guten, wenn nicht professionellen Sportlern und Tänzern. Was für ein Genuss! Denn sie haben ausnahmslos eine deutliche, klar definierte, saubere Körpersprache. Da bleibt nichts nicht gesagt. Man kann nicht nicht kommunizieren (Paul Watzlawick). Meine Zumba Fitness Tanz Trainer Ausbildung machte ich nur deswegen. Als Trainerin bin ich gewohnt, vor einer Gruppe zu stehen.

Wenn ich, wie bei einer sportlichen Aktivität, nicht zusätzlich spreche, muss mein Körper ganz klare Signale geben, weil sonst die Teilnehmer nicht verstehen können, was sie tun sollen. Und auch hier: Große, ganz große Bewegungen, man meint anfangs viel zu große Bewegungen, sind diejenigen, die eindeutig und hilfreich sind.

Jetzt verrate ich Ihnen ein Geheimnis und einen meiner Wünsche. Lachen sie nicht, er ist vielleicht etwas verrückt. Wenn sie jemanden kennen, der mir bei der Umsetzung helfen kann, dann freue ich mich schon jetzt darüber. Also… Ich möchte so gerne einmal eine richtig große Verkehrskreuzung regeln. Die Stadtpolizei, die das macht, fasziniert mich immer wieder und natürlich werde ich nicht müde, das respektvoll zum Ausdruck zu bringen (verbal und nonverbal versteht sich). Denn um den Verkehr ohne Mikrophon zu regeln, braucht es eine saubere, „klare Ansage“. Das wird sonst lebensgefährlich. Meine Augen strahlen schon jetzt beim inneren Bild, wie ich fröhlich auf der Verkehrskreuzung rechts vor links, rot, gelb und grün, stopp und freie Fahrt tanze und diesem Autofahrer zublinzle und bei jenem nochmal ein Auge zudrücke…

Zum Üben im Alltag

Wenn Sie mich öfter lesen oder persönlich kennen, dann wissen Sie, dass ich eine Praktikerin bin. Hier schenke ich Ihnen ein paar Tipps, die Sie leicht (und sofort) umsetzen können:

Der Straßenverkehr ist hervorragend geeignet, auch wenn Sie nicht den Verkehr regeln wollen.
Ob sie Fußgänger, Fahrradfahrer oder Autofahrer sind, kommunizieren Sie mit großen, deutlichen Gesten und der entsprechenden Mimik. Zum Beispiel, wenn Sie wollen, dass jemand anhält. Ui, das ist schön. Oder Sie signalisieren als Autofahrer einem Fußgänger, dass Sie ihn überqueren oder einem Autofahrer, dass Sie ihn in die Spur einfahren lassen; wenn ein Autofahrer auf Sie als Radfahrer wartet, doch Sie haben vor, rechts abzubiegen: Zeigen Sie es deutlich an und derjenige freut sich wie Bolle, weil er schon Gas geben kann und nicht umsonst warten wird.

Hat Ihnen jemand eine solche Höflichkeit angedeihen lassen, bedanken Sie sich mit einer unübersehbaren, d.h. also eher größeren als kleineren Geste und Sie werden demjenigen ein Lächeln auf den Mund zaubern, vorausgesetzt er verkneift es sich nicht. Dann haben Sie Pech gehabt. Wenn Sie Glück haben, ist es so deutlich, dass Sie es auch sehen können (Feedback). Also Lächeln Sie selbst immer groß, breit. Strahlen und leuchten Sie dabei mit den Augen und vergessen Sie Ihre Hände nicht. Auch sie können sprechen. Welches Fingerzeichen signalisiert „gut gemacht, danke“? – Na also, geht doch!

Im Gespräch:
Sagen Sie deutlich „ja“ und „nein“ mit der entsprechenden Gestik, Mimik, Haltung, Stimme. Es sollte körpersprachlich nicht ein faules „vielleicht“, ein schlaffes „ich bin mir nicht sicher“ oder ein beliebiges „so n‘ bisschen“ ankommen. Außer, Sie meinen genau das.

Unterwegs:
Wenn jemand vorkommen soll oder Sie anzeigen, dass noch ein oder kein Platz frei ist. Nicht schreien. Es geht nämlich ganz still, leise und einfach, nur mit großen Bewegungen. Es soll sich jemand beeilen: Zeigen Sie es (kleiner Tipp, dabei nicht ins smartphone schauen).

Wie sieht eigentlich Ihr persönliches, körpersprachliches „Dankeschön“ oder „juhuu, ich habe es geschafft!“ aus?

Beim Telefonieren…
Sie lachen? Ja, auch beim Telefonieren, wenn Ihr Gesprächspartner Sie nicht sehen kann. Denn Ihre Körperspannung, Ihre Bewegung und Ihre körperliche Ausdrucksklarheit überträgt sich über Ihre Stimme! Deswegen greifen Sie zwischendurch lieber zum Hörer, statt noch eine weitere eMail zu schreiben. Dort fehlt nämlich der komplette „Subtext“, den Sie als nicht nur wichtige, sondern notwendige Informationsquelle in „short messages“ mit emoticons ergänzen müssen, weil sonst eine Fehlinterpretation wahrscheinlich ist. Früher hat man das in (inzwischen historischen) Briefen mit Adjektiven ergänzt: Mit „freundlichen“, „kollegialen“ Grüßen oder „untertänigst“, „sehr geschätzter Herr Sowieso“ und „verehrtes Fräulein“ wurde die Stimmungslage, die (gewünschte Art der) Beziehung oder die gesellschaftliche, hierarchische Position beschrieben, damit der Leser wissen konnte, woran er war: Freund oder Feind.

Ganz entspannt bleiben!

Lassen Sie die Schultern nicht hängen. Falls Sie jetzt überlegen, welche Bewegung Sie machen sollen: Hören Sie auf zu denken und lassen Sie Ihren Körper einfach machen. Der weiß das schon noch. Vertrauen Sie ihm. Sie erinnern sich: Ihre Primärsprache!

Das sage ich Ihnen, mit erhobenem Haupt, meiner kompletten Körpervorderseite „zugewandt“, aufgerichtet (aufrichtig und ehrlich) mit weit ausgebreiteten Armen (offen), nach oben zeigenden Handflächen (einladend), einem ermutigenden Lächeln im Gesicht und einem Augenzwinkern: „Geben Sie Ihrem Gegenüber die Chance, Sie zu verstehen!“

Ich werfe Ihnen jetzt keine Kusshand zu, nein, das wäre hier nicht angemessen. Doch ich kreuze meine Finger und drücke Ihnen die Daumen. Je nach dem, aus welchem Kulturraum Sie kommen, Sie verstehen mich auf jeden Fall richtig.

Ihre

 

 

 

 

 

Vanessa Vetter – die Frau für Veränderung. Because change is your chance.

Widmung
Diesen Artikel widme ich den Teilnehmern meiner gerade laufenden NLP Practitioner Ausbildung. So viel Esprit, Wissensdurst und persönlicher Wachstumshunger – ich strahle und hüpfe vor Freude! Es gibt zwei Daumen hoch.

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Respekt, Fairness und Wertschätzung sind mir sehr wichtig. inmetra® ist eine eingetragene Marke. Alle Rechte liegen bei Vanessa Vetter. Texte oder Textteile dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung genutzt werden. Lassen Sie mich bitte wissen, wenn Sie daran interessiert sind.

 

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