Schreiben heißt, sich selber lesen

Artikel erstellt in Allgemein, Coaching, Kommunikation
Schreiben heißt, sich selber lesen

Bleiben Sie ganz entspannt, Sie müssen nicht gleich zum Schriftsteller werden. Bücher, in denen das Gesagte wiederholt und das Wiederholte kopiert als marketingorientierte Visitenkarte genutzt wird, gibt es mehr als genug. Schreiben Sie ein gutes Buch. Schreiben Sie das Buch Ihres Lebens. Sie brauchen es nicht zu veröffentlichen. Es wird ohnehin geschrieben. Doch vielleicht wollen Sie sich jetzt einen Moment Zeit zum Lesen nehmen, um über das Schreiben als kostbaren Prozess zur inneren Klärung nachzudenken…Vor allem, wenn Sie im Folgenden erkennen, wie es auch zur Verbesserung Ihres Kommunikationsverhaltens in Beruf und Alltag beitragen kann.

Das Buch des Lebens

Vielleicht kennen Sie einen Moment wie diesen: Aus irgendeinem Grund lesen Sie einen Brief, eine Notiz, eine Postkarte (für alle, die noch wissen, was das ist), die Sie selbst vor längerer oder langer Zeit an jemanden geschrieben haben. Vielleicht fällt Ihnen ein Tagebuch wieder in die Hand. Sie lesen sich jetzt im Perspektivwechsel, auf sich damals blickend, mit Interesse selbst. Sie lesen, wie es Ihnen damals ging, mit was Sie beschäftigt waren, ob es Ihnen gut ging oder ob Sie bedrückt waren. Sie lesen Ihre eigene Haltung dem Adressaten gegenüber, vielleicht auch ein Geheimnis… und möglicherweise staunen Sie nicht nur, weil damals das Porto noch so günstig war. „Schon damals habe ich also…“ oder „wie liebevoll…“, „wie ehrlich…“, „total verrückt“… „das war dann und dann, als ich …“, „das hatte ich ganz vergessen“, „das war eine schwere Zeit“ – oder was geht Ihnen jetzt durch den Kopf? Möglicherweise staunen Sie auch darüber, dass der Adressat Ihren  Brief, den Zettel oder Ihre Postkarte als aufhebenswert deklarierte. Warum wohl?

Manifestation der Gedanken

Schreiben hat selbst-therapierende Wirkung. Der Akt des nicht nur Denkens, sondern Aufschreibens, an dem auch kinästhetisch die Finger und Materie (Tablet, Stift, Papier oder Buch) beteiligt sind, ist im Gehirn ein intensiver vernetzter, mehr Regionen ansprechender Vorgang als das Denken per se. Wenn Sie dann noch das Geschriebene aussprechen oder umgekehrt, wird es noch klarer, was Sie konkret meinen, wenn Sie „…“ denken. Es ist eine verstärkende Manifestation. Durch Ihr Aussprechen und einmal mehr Schreiben schaffen Sie sich einen Raum zur Eigenreflexion. Bestimmt kennen Sie das Phänomen „jetzt, wo ich darüber spreche, merke ich gerade, dass…“

Verdichtung

Wenn Sie mit Schreiben vertraut sind, dann wissen Sie, dass es einfach ist, die Gedanken zu verschriftlichen. Es ist wie ein Diktat. Schwieriger wird es, das Gesagte zum Gemeinten werden zu lassen. Jetzt müssen Sie nämlich Text streichen, sich mehr und mehr auf das Wesentliche, den Kern konzentrieren. Das Konzentrat ist eine Verdichtung und fordert bewusste Aufmerksamkeit und innere Entscheidung: Was ist das Wichtigste? Um was geht es mir eigentlich? Wo ist das Eine bereits im Anderen enthalten? Tatsächlich kommt das Wort „Gedicht“ von dieser Verdichtung von prosaischem Text zu seiner Kurzform. „Entschuldige meinen langen Brief, für einen kurzen hatte ich keine Zeit“ wird verschiedenen Literaten zugeschrieben. Sie hatten alle dieselbe Erfahrung, die Sie und ich ebenso kennen. Um die Essenz herauszuarbeiten, braucht es die Auseinandersetzung mit sich selbst und somit Zeit. Sprechen und Schreiben sind als Prozess des Denkens zu verstehen. „Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre was ich sage“ – oder schreibe? Den Aufsatz von Heinrich von Kleist (1805/06) „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ lege ich Ihnen hierzu ans Herz. Er beschreibt es menschlich, zeitlos und treffend.

Lebenserfahrung

Ein gutes Gedicht kann nur entstehen, wenn man viel Leben erfahren hat, sagen die, die es wissen. Es braucht Übung. Wenn wir ein gelungenes Gedicht lesen, damit meine ich eines, das uns im tiefen Inneren bewegt, dann ist in wenigen Worten viel ausgedrückt. Es ist die Lyrik eines Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse, Johann Wolfgang von Goethe, Shakespeare und wie sie alle heißen, die es so trefflich verstehen, uns immer wieder neu zu berühren.

Der Raum für mein Ich

Meine Einladung zu schreiben, haben Sie schon verstanden. Wenn es nur eine Notiz pro Tag oder Woche ist, in der Sie wertvolle Momente, Fragepunkte Ihres Seins auf- oder sich etwas von der Seele schreiben. Die Mühe lohnt sich und Sie überraschen sich vielleicht schon nach kurzer Zeit. In der Visions- und Ziele Arbeit im Coaching ist es ein offenes Geheimnis, dass eine relevante Zutat für die Realisierung die im Moment mögliche, präzise Visualisierung und sinnesspezifisch konkrete Beschreibung ist. „Wie sieht es aus, was gibt es zu hören, wie spürt es sich an, welche Emotion fühlen Sie und wie riecht und schmeckt es?“

Verbesserung Ihrer Kommunikation in Beruf und Alltag

„Kommen Sie doch mal auf den Punkt!“ Vielleicht kennen Sie es, in den nebulösen Ausführungen Ihres Gesprächspartners gedanklich abzuschalten oder abzuschweifen. Wenn Ihnen jemand etwas lang und breit erzählt, verlässt Sie die Konzentration und Motivation, den roten Faden zu suchen. Vielleicht hat der Erzähler auch gar keinen und hat sich in sich selbst verloren. „Was wollte ich noch gleich erzählen?“ „Worauf wollte ich eigentlich hinaus?“ Den Vorgang, den Sie dann miterleben ist der sprachgedankliche Sortierungsprozess Ihres Gegenübers. „Mal laut gedacht“ und „ins Unreine gesprochen“. Sie bekommen quasi einen Eimer voller Worte vor die Füße gekippt und können sich mühsam das raussuchen, was der andere möglicherweise meinen könnte. Das passiert natürlich aus Ihrer eigenen „Landkarte“, Ihrem persönlichen mindset heraus und hat wiederum mit Ihrem Gesprächspartner wenig bis gar nichts zu tun. Ein wunderbarer Nährboden für Missverständnisse, Konflikte, aneinander vorbeireden. Sie brauchen viel Zeit, Mühe und Kraft, vielleicht sogar Investition an Geld für einen Konfliktmoderator oder Mediator, um das durcheinander Geratene zu klären und die entstandenen Knoten zu lösen. Wenn Sie sich in Komprimierung und Verdichtung üben, kommt das Ihrer Kommunikation allgemein zu Gute. Sie können dann schriftlich wie mündlich das ausdrücken, worauf es Ihnen oder der Firma ankommt, kurz, bündig, klar und deutlich. Ihr unmittelbarer Gewinn: Weniger bis keine Mißverständnisse, eine klare Kommunikation, Ersparnis an Kraft, Zeit, Geld. Reibungslose Kommunikationswege; und wenn doch einmal etwas schief läuft haben Sie eine zügige Korrigierfähigkeit.

Meine Empfehlung

Sie müssen nicht auf den Geschmack kommen, poetisch zu schreiben. Doch zum Hineinschnuppern und Entdecken, wie man diesen Sprachraum technisch erschaffen kann, könnten Sie als Gast bei inmetra® das poetische Schreibseminar von Angelica (Fleer) Schönherz besuchen. Angelica ist eine Persönlichkeit, die sich zusammen mit ihrem Mann Richard Schönherz und dem Rilke Projekt einen wohlklingenden Namen gemacht hat. Für das Rilke Projekt erhielten sie in der Kategorie Hörbuch den internationalen Deutschen Buchpreis. Die Poesiemusik der beiden Künstler ist bestens geeignet, um in die richtige Schreibstimmung zu kommen und sich von den Weisheiten dieser Dichter, gekonnt vorgetragen von Schauspielern, tief im Herzen und in der Seele inspirieren zu lassen.

Bei inmetra® ist das nächste poetische Schreibseminar am Samstag, 27. April, 21. September und dann noch einmal am 23. November 2019, jeweils von 10 – 17.00 Uhr. Auch, wenn es noch so lange erscheint, da die Plätze begrenzt sind, melden Sie sich am besten so bald wie möglich an.

Und so hätten Sie sich meine vielen Worte gespart. Meine Verdichtung dieses langen Textes lautet in der von Angelica frisch gelernten Technik eines sog. „Elfchens“ (11 Worte)

Schreiben

sich zeigen
öffnet neue Räume
Ich lese mich hinein
Verstehen

 

Lernen Sie uns kennen! Einladung zu den nächsten inmetra® Erlebnisabenden. Hier finden Sie alle Termine.

– Erlebnisabend „wingwave® Coaching“ (fortentwickeltes NLP) am Dienstag, 9. April 2019

– Erlebnistag Yoga-Mental-Seminar mit dem Thema „Zufriedenheit“ am Sonntag, 28. April

– Erlebnisabend „Ihr Sprung aus dem Hamsterrad“ – Einführung in (Selbst-) Coaching und NLP am 21. Mai 2019

Jede Veranstaltung steht für sich und ist gleichzeitig eine gute Gelegenheit, Vanessa Vetter live als Trainerin zu erleben, wenn Sie sich für eine Ausbildung zum NLP Practitioner, Master oder Mediator bei inmetra® interessieren. – Bitte melden Sie sich formlos an! Wir freuen uns auf Sie und einen inspirierenden Erlebnisabend.

 

 

 

 

 

Vanessa Vetter – die Frau für Veränderung.

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