Auf ein Wunder warten? – Lieber einen Wunsch äußern!

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Es ist manchmal schon erstaunlich. Wir glauben, unser Gegenüber müsste wissen, was wir uns von ihm wünschen. Der Chef, die Teamkollegin, der Partner, die Mutter, was weiß ich, wer alles, hellsehen soll, was er tun kann, um uns glücklich zu machen. Telepathische Fähigkeiten helfen zwar, doch sie funktionieren nicht immer. Dafür haben wir einen Mund, um unseren Gedanken und Wünschen Ausdruck zu verleihen.

Vielleicht braucht es etwas Mut. Doch was soll denn schon passieren? Ich sage immer: Ein Wunsch ans Christkind und das Geschenk kommt oder eben nicht. Immerhin hat man es versucht. Nun weiß das Christkind – oder der Weihnachtsmann- Bescheid. Wenn er kann, wird er schon. Er ist nett. Wieso sollte er also nicht?

Warum hast Du denn nicht?

“Ja warum hast Du mir das denn nie gesagt?!” höre ich häufig in von mir moderierten Paar Gesprächen. “Ich dachte, Du…” Reine Form von Möchtegerntelepathie. Es ist ja schon fast vermessen, zu denken, man wüsste, was der andere denkt, wünscht, gut oder schlecht findet. Ja natürlich, Ihr Einwand ist berechtigt: Sie kennen sich ja schon so lange! Doch gestatten Sie Ihrem Gegenüber auch eine neue Meinung, einen Gesinnungswandel, eine andere Weltsicht als noch vorgestern, vor 10, 5 oder 2 Jahren und haben Sie diese schon einmal profund erkundet und hinterfragt, also wirklich verstanden? Ehrlicherweise wohl eher nicht.

Eine kleine Metapher 

Diese Geschichte hat, wie immer, weder mit mir, noch mit Ihnen etwas zu tun. Lesen Sie die Lektion:
Ich bekam lange Jahre Dinge geschenkt, die mir überhaupt nicht gefielen. Es wurde mir zur regelrechten Belastung, all die Sachen wieder loszuwerden. Es beschwerte mich in verschiedener Hinsicht ganz fürchterlich. Ich litt geradezu darunter. “Wie komme ich aus dieser Nummer heraus?” war die Frage. Da gibt es mehrere gute Empfehlungen und eine davon ist von mir hart erarbeitet:

Kundtun, was man von wem haben möchte! 

Geht es Ihnen auch so, dass Sie erleichtert sind, wenn Ihnen jemand sagt, was er will und Sie sich nicht den Kopf darüber zerbrechen müssen? Oder das Risiko tragen, komplett daneben zu liegen? Die mildere Variante ist die Technik der dritten Person. Sie sagen es jemandem, der es dem anderen weitersagt oder gerade “zufällig” anwesend ist: “Falls mir jemand aus der Abteilung etwas zum Abschied schenken möchte, ich liebe Blumen, Olivenöl, Seife und hochwertige Schokolade und meine Espresso Kanne ist gerade kaputt gegangen. Ach ja und wenn es etwas größeres sein darf, …”

Doch üben Sie sich ruhig gleich im direkten Kontakt. Lassen Sie sich überraschen, welche Unterhaltung sich vielleicht daraus ergibt. Möglicherweise ist Ihr Gegenüber erstaunt und fragt nach. – “Wirklich, Sie hätten gerne…? Darauf wäre ich nie gekommen.” Vielleicht sind Sie auch beeindruckt davon, wie treffend Sie beobachtet wurden, welche Hypothesen und Annahmen über Sie und Ihre Vorlieben getroffen wurden. Ich werde nie mein großes Staunen beim Öffnen eines Geschenkes in meiner ehemaligen Abteilung vergessen. Der Moment, in dem die Visage standhalten muss! Wow, da hatte sich jemand sichtlich Gedanken gemacht. Zu meinem Glück die richtigen. “Ja, Frau Vetter, ich habe Sie beobachtet”, sagte meine damalige Kollegin, die das Geschenk organisiert hatte: “Bei Ihnen muss etwas praktisch und ästhetisch sein.” Sie hatte Recht.

Wünsche als Konfliktvermeidung 

Es ist tatsächlich auch eine konfliktschonende Angelegenheit. Keine Enttäuschung von unerfüllten Erwartungen: Warum trägst Du nie den schönen Flauschpulli, den ich Dir zum Geburtstag geschenkt hatte?

Kein Vorwurf der Undankbarkeit: Wo ist denn die Vase, die Dir Fredo zum Examen schenkte? – Was?! Du hast sie auf dem Flohmarkt verkauft? Das gibt es ja nicht. Du bist ja so undankbar. Die Vase war ein teures Design Einzelstück von Fleegaza!

Sie sparen sich eine peinliche Situation: Wo hast Du eigentlich den Kerzenleuchter hingestellt, den ich Dir geschenkt hatte? Ähm… ja also, den habe ich glaube ich, nein, ist doch beim Umzug, also ich weiß jetzt auch gar nicht, wo… – Fürchterlich, oder nicht?

Sie wissen, was ich meine und haben bestimmt einige schöne Beispiele parat. Wie könnte es also gehen? Ganz einfach: Immer freundlich. Wenn Sie Humor haben, packen Sie ihn aus, dann geradeheraus direkt ausgesprochen und an die Person adressiert, die es betrifft, egal wer, wohlgemerkt. – Wünschen darf man nämlich immer!

Wunsch versus Forderung und mal ganz ehrlich: Ihre Erwartungshaltung

Bevor ich Ihnen ein paar Formulierungsbeispiele zeige, lassen Sie uns noch kurz abgrenzen:

Ein Wunsch ist kein Verlangen und keine Forderung. Er kennt keine Erwartungshaltung. Ein Wunsch lässt den anderen völlig frei. Ich vermute, das ist eine Übung, mit der Sie eine Weile beschäftigt sein werden. Es kann eine ganz interessante Entdeckungsreise zu Ihrer Schattenseite werden.
Gefährlich wird es, wenn Sie eine Erwartung, Forderung oder ein Verlangen in das Mäntelchen eines Wunsches packen. Es wird die Forderung ankommen, seien Sie sich sicher. Sie statuieren eine Doppelbindung, die wirklich hässlich ist. Hand aufs Herz: Überlegen Sie noch einmal und lassen Sie das Messer lieber stecken! Sie wissen selbst, wie unangenehm das ist, in jedem Fall früher oder später beziehungsschädigend. Akzeptieren Sie also ein “nein” und behalten Sie es sich gegebenenfalls selber vor. Sie dürfen das nämlich.

Eine hilfreiche Vorannahme

Meine Beobachtung ist, dass Menschen grundsätzlich sehr gerne etwas für jemanden tun. Ein Gefallen hier, eine Aufmerksamkeit dort, eine Erfüllung eines Wunsches für einen besonderen Anlass. Manchmal ist es nur ein ganz kleiner Aufwand, der noch nicht einmal der Rede wert ist, weil er sogar Freude bereitet. Wer ist da wem eigentlich zu Dank verpflichtet?

Wünsche sind immer frei

  • Wenn ich mir von Ihnen, Dr. Angelo etwas wünschen dürfte, dann wäre das, dass Sie mir zeigen, wie Sie Einrad fahren!
  • Von Dir, mein Lieber – oder meine Liebe – … wünsche ich mir heute Abend eine Schultermassage.
  • Mein Wunsch ist, dass wir einen festen Termin in der Woche für gemeinsame Zeit einplanen.
  • Ich möchte Sie so gerne einmal persönlich kennenlernen!
  • Ich wünsche mir von Dir, dass Du mir den Pinienwald zeigst!
  • Es ist mir ein Anliegen, dass wir ein Gespräch zu dritt zur Rollenklärung im Team führen.
  • Mein Wunsch ist ein wöchentliches Feedback- und Informationsgespräch.
  • Zum Geburtstag wünsche ich mir ein Glas von Deiner köstlichen Himbeermarmelade.
  • Darf ich im Sommer mit Dir wieder in Deinem Garten unter freiem Himmel schlafen?
  • Frauen aufgepasst: Könntest Du mir wieder einmal Blumen mitbringen? Das bedeutet mir so viel!
  • Bitte bügle für mich das Hemd mit!
  • Es wäre mir eine große Hilfe, wenn Du mir die Autoreifen wechseln würdest.
  • Ich wünsche mir, dass Du mehr auf Dein Äußeres achtest und Dich wieder einmal schick machst.
  • Mein Wunsch ist, dass wir uns zur ersten Supervision präsent treffen.
  • Ich wünsche mir, dass Du meine Freundin wirst. Möchtest Du?
  • Ich wünsche mir, dass wir zeitnah sprechen, wenn es Befindlichkeiten gibt.
  • Ich wünsche mir von Ihnen, lieber Leser, dass Sie diesen Artikel auf sich wirken lassen und es bei nächster Gelegenheit einfach einmal ausprobieren.

Jetzt sind Sie dran!

Wer frei wünscht, darf auf Erfüllung hoffen. Das wünsche ich Ihnen jedenfalls von Herzen! Ein kleines Geheimnis darf ich Ihnen motivierend in Aussicht stellen: Das macht richtig Spaß und Lust auf mehr. Sie werden überrascht sein, was Sie plötzlich in Hülle und Fülle Wundervolles geschenkt bekommen. So geht es mir jedenfalls. Hart erarbeitetes Glück, kann ich Ihnen sagen.

Falls Sie sich etwas von mir wünschen, dann lassen Sie es mich bitte wissen! Unmögliches mache ich sofort, Wunder dauern etwas länger. Mein “Nein” ist meistens charmant, jedenfalls immer höflich formuliert und bringt Sie nicht um. Versprochen.

Ihre

 

 

 

 

 

Vanessa Vetter – die Frau für Motivation und Veränderung. Because change is your chance.

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1 Kommentar

  1. Annette Seliger
    7. Juni 2021

    Liebe Vanessa,
    Ach was tut mir dein Artikel gut!
    Ich danke dir für die Erinnerung und deine kluge Aufforderung mit dem Wünsche aussprechen klarer und erwartungsfreier zu werden.
    Wie du sagst, ganz toll und ganz schön schwierig.
    Damit hast du mir ein wunderbares Thema geschenkt, vielen Dank.
    Herzlichst
    Annette

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